Dao






Das nennbare Dào - ist nicht das absolute (ewige/dauerhafte) Dào.

Der nennbare Name - ist nicht der absolute (ewige/dauerhafte) Name.

Das Namenlose ist der Ursprung des Universums (von Himmel und Erde).

Das Benannte ist die Mutter aller Dinge (der zehntausend Dinge).

(aus Kapitel 1 des Dàodéjing (

Ich kenne seinen Namen nicht,

darum nenne ich es „Dào“.

(aus Kapitel 25 des Dàodéjīng (


Günter Wohlfahrt Die Philosophie des Daoismus Ed. Chora 2001
wohlfart-daoismus51


Ein Weg, der sich richten/bereiten/herstellen lässt,bzw. den man bahnen/machen (im Sinne von: seinen Weg machen) kann, ist nicht der gewöhnliche/übliche (sich von Natur aus/von selbst stetig verändernde, in stetigem Wechsel bzw. in ständigem entstehen und Vergehen begriffene ) Weg.

Ein Lauf, dessen Richtung man weisen/zeigen kann, ist nicht der stetige (d. h. ständiger Veränderung unterworfene) Lauf (der Dinge/der Natur/der Welt).

Der wahre Weg, der hier als chang dao charakterisiert wird, wäre gerade kein „ewiger“, „überzeitlicher“ (d. h. im üblichen Lauf der Zeit bzw. der Welt entrückter) Weg, sondern der alltägliche, allgemeine, übliche Weg.

Seite 53

...der wahre Weg, d. h. der chang dao verstanden als „always self-so-ing way“, ist ein wegloser Weg, ein Weg ohne Weg, ein Weg, den man nicht wegen kann, sondern der wegen des Gehens von selbst entsteht, in dem man den Weg Weg sein lässt. Der rechte Weg ist der, den man beim Gehen vergisst, um „es“ gehen zu lassen, sodass „es“ geht.

S. 54
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dieser Weg wird weder begangen bzw. betreten wie ein schon vorhandener, ausgetretener Weg, noch wird er absichtlich gebahnt bzw. „gewegt“. Der Weg ist kein „Objekt“ des Wegens, auf das wir es abgesehen haben können, vielmehr ist der Weg beim Gehen – sozusagen weg - ein wegloser Weg, ein unwegsamer Weg, der erst „going along with things“, „self-so-ing“ entsteht, wie gesagt: eine Weg ohne Weg.

Felix Lau Die Form der Paradoxie
Seite 184:
Wenn im Daoismus von Dao gesprochen wird, ist damit der Gang der Dinge, wie er halt ist, gemeint. Alan Watts hat es in und mit seinem letzten Buch Lauf des Wassers genannt. Es ist das ewig fortwährende Jetzt. Es geschieht, was geschieht. Auch unsere Gedanken – über Vergangenes und Zukünftiges – geschehen, wenn es so ist.

Das Dao ist das Unwandelbare, in und mit dem sich unentwegt alles wandelt. Der ewige Name findet sich im Hin-und-her von der einen zur anderen Seite. Aber halten wir das für den ewigen Namen, so irren wir. Er ist schon wieder fort. Der Oszillation steht Stillstand gegenüber und der ewige Name zeichnet auch hier nicht das eine vor dem anderen aus. Wenn jemand den „Weg“ bzw. das Dao benennen könnte, dann würde mit der Benennung eine Grenze gezogen, so dass es den „Weg“ bzw. das Dao mit einem Namen gäbe und etwas, das nicht der Weg bzw. das Dao ist. Somit könnte dies nicht der Weg sein. Und auch diese altkluge Verneinung ist nicht der Weg. Aber auch das Abweichen vom Dao ist Dao; es ist allumfassend.

Das Dao ist das, von dem man nicht abweichen kann; das, von dem man abweichen kann, ist nicht das Dao.“ (WATTS 1983: 69)


Günter Wohlfart
Hans-Georg Möller
Alan Watts
Angus Graham
Francois Jullien

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