Laozi 1

http://chinese.dsturgeon.net/text.pl?node=11591&if=en

道 德 經:

道 可 道, 非 常 道

dào ke dào fei chang dào

名 可 名, 非 常 名

ming ke ming fei chang ming

無 名 天 地 之 始; 有 名 萬 物 之 母

Wu ming tian di zhi shi you ming wan wu zhi mu

故 常 無, 欲 以 觀 其 妙

gu chang wu yu yi guan qi miao

常 有, 欲 以 觀 其 徼

chang you yu yi guan qi jiao

此 兩 者,同 出 而 異 名

ci liang zhi tong chu er yi ming

同 謂 之 玄

tong wei zhi xuan

玄 之 又 玄

xuan zhi you xuan

眾 妙 之 門

zhong miao zhi men

Embodying the Dao

The Dao that can be trodden is not the enduring and unchanging Dao.
The name that can be named is not the enduring and unchanging name.

(Conceived of as) having no name, it is the Originator of heaven and earth; (conceived of as) having a name, it is the Mother of all things.

Always without desire we must be found,If its deep mystery we would sound;
But if desire always within us be,Its outer fringe is all that we shall see.

Under these two aspects, it is really the same; but as development takes place, it receives the different names. Together we call them the Mystery. Where the Mystery is the deepest is the gate of all that is subtle and wonderful.

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Ein Dao - kann es als Dao bestimmt werden,
ist es kein stetiges Dao.
Ein Name - kann er als Name bestimmt werden,
ist er kein stetiger Name.
Keinen-Namen-habend
ist der Beginn der zehntausend Dinge.
Namen-habend
ist die Mutter der zehntausend Dinge. Möller
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„sagbar das Dau doch nicht das ewige Dau
nennbar der name doch nicht der ewige name
namenlos des himmels, der erde beginn
namhaft erst der zahllosen dinge urmutter
darum: immer begehrlos und schaubar wird der dinge geheimnis
immer begehrlich und schaubar wird der dinge umrandung
beide gemeinsam entsprungen dem einen
sind sie nur anders im namen
gemeinsam gehören sie dem tiefen
dort, wo am tiefsten das tiefe
liegt aller geheimnisse pforte“ ernst schwarz

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Dem Haupttext der Laws of Form ist eine Reihe von Schriftzeichen vorangestellt. Den meisten westlichen LeserInnen tritt damit zu Beginn des Textes ein fremdes Schriftbild entgegen, unübersetzt und unkommentiert. Die dieser Sprache unkundigen LeserInnen werden im Dunkeln gelassen Ober Bedeutung, Sinn, genauen Ort.' Es liegen vor allem drei Wege nahe, mit dieser Situation umzugehen:

Ein erster Weg ist, die fremdartige Zeichenreihe ästhetisch als Kalligraphie aufzufassen und nach kurzer Betrachtung in den ,eigentlichen' Text einzutreten. Ein zweiter Weg ist, sich auf der Suche nach Sinn, Art und dem genauen Ort des Textes ein paar Schritte weit in eine fremde Welt zu begeben. Ein dritter Weg ist, sich zu fragen, wieso diese Zeichen unmittelbar vor dem ersten Kapitel stehen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen ihrer Bedeutung, dem Ort, an dem sie stehen und dem Inhalt der Laws of Form?

Wir wollen den ersten Weg wiederum unseren LeserInnen überlassen und die beiden anderen Wege nacheinander einschlagen. Der zweite Weg führt uns in die altchinesische Welt des Daodejing (Tao-Te-King).

Der Satz und sein Kontext im "Daodejing"
Die chinesische Zeichenreihe ist der dritte Vers aus dem ersten Kapitel des Daodejing von Laozi (Lao-tse)2:

Wu ming tian di zhi shi
Nicht Name Himmel Erde von Anfang

Da das Chinesische eine isolierende und keine flektierende Sprache ist, gehört zu dem chinesischen Satz eine Ambiguität, die in den westlichen Sprachen durch die Entscheidung für eine Wortart verloren geht.3 Die Ambiguität hängt an der grammatischen Rolle des ersten Wortes wu: nicht, ohne, Nichts. Möglichst wörtlich übersetzt lauten die beiden Varianten:
(1) Ohne Name ist der Anfang des Himmels und der Erde.
(2) ,Nichts' ist Name des Anfangs von Himmel und Erde.
In der Mehrzahl der englischen und deutschen Ubersetzungen wird die erste Variante gewählt, es findet sich aber auch eine ganze Zahl englischer, deutscher und französischer Übersetzungen, die der zweiten Variante folgen.4

In den beiden zentralen klassischen Kommentaren des philosophischen und
des religiösen Daoismus, dem des Wang Bi und dem des Heshanggong, wird die Ambiguität dieser Stelle deutlich:
Wang Bi: "All being originated from nonbeing. The time before physical forms and names appeared was the beginning of the myriad things."5
Heshanggang: "The nameless designates the Tao. Tao is without form. Therefore it cannot be named."

Die Ambiguität richtet sich also auf die Art des Anfangs. Ist der Anfang ohne Namen oder ist der Name des Anfangs ,Nichts' oder, wie in manchen Übersetzungen zusammengezogen wird, ist der Anfang Nichts? Oder ist der Anfang eben dieses Vexierbild?

Der Vers gehört zu einer Einheit von vier Versen, mit denen das erste Kapitel beginnt. Die vier Verse lauten in einer möglichen Übersetzung:
1 Der Weg, der wirklich Weg ist, ist ein anderer als der unwandelbare Weg.
2 Die Namen, die wirklich Namen sind, sind andere als unwandelbare Namen.'
3 Namenlos/Nichts ist der Anfang von Himmel und Erde.
4 Der Name ist die Mutter der zehntausend Dinge.

Felix Lau: Die Form der Paradoxie - das Dao
Der Anfang von Himmel und Erde beschreibt das Entstehen der ersten Unterscheidung, das „im“ empty space geschieht. Das Namenlose (oder das „Nichtsein“ bei Richard Wilhelm) ist der Zustand, bevor etwas geschieht, bevor Zeit und Raum zur Existenz gelangen, bevor die erste Unterscheidung getroffen wird; und ohne Unterscheidung kann es weder Anzeige noch Namen geben. Der empty space, die Leere oder das Nichtsein ist noch nicht einmal nichts, noch nicht einmal leer. Es enthält keine Unterscheidung bzw. ist durch keine Unterscheidung festlegbar, und von es zu sprechen ist wie jede Aussage darüber irreführend, da es sich jeder Unterscheidung – auch der von existent/nicht existent – entzieht.

Laozi


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