Christoph Bleuler
Our guiding metaphor is path laid in walkin
g.

For my part, when I enter most intimately into what I call myself,
But I always stumble on some particular perception or other,
Of heat or cold, light or shade love or hatred, pain or pleasure.
I never can observe anything but the perception.
David Hume

Einführung:
“Our guiding metaphor is path laid in walking.” schreiben Francisco Varela, Elanor Rosch und Evan Thompson in ihrem abschließenden Kapitel zu “The Embodied Mind“. Eines ihrer Anliegen ist es, Wege aufzuzeigen, wie mit einem aufwühlenden Befund der Kognitionswissenschaften umzugehen sein könnte. Hintergrund dazu sind die missglückten Nachweise eines self das die Fäden gewissermaßen zusammenhält, das plant und Pläne nachvollzieht, das „ich“ sagt, um den Wünschen eines self Ausdruck zu geben. Was wäre wenn sich die Kognitionswissenschaftler ihren Untersuchungsresultaten zu stellen (1991) beginnen? Nur drei Jahre vor Veröffentlichung von “The Embodied Mind“, kam Marvin Minsky (“Societies of Mind”, 1988) auf denselben Befund; er hielt es für nicht praktikabel, daran festzuhalten.

Verstärkung kommt von den Systemtheoretikern. Mit der weiten Akzeptanz der Figur des Beobachters, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts jeglichen Gelüsten nach Absolutismus den Rücken bricht – Objektivität, die Lebensader der exakten Wissenschaften: eine Illusion! –, ist ein Klima geschaffen worden, das weiteren „Revolutionen“ als Wegbereiter dienen könnte.

In der Figur des Beobachters findet sich wohl auch der gemeinsame Ausgangspunkt mit dem Soziologen und Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Luhmann bezeichnet es als ein „universelles Problem“ („Aufsätze und Reden“, 2001), dass sich der Beobachter auch über einen Beobachter zweiter Ordnung, also einen, der die Beobachtungsoperation erster Ordnung, den Beobachter und das Beobachtete, beobachtet bestätigen lässt; verlagert er das Problem das Problem doch nur eine Ebene höher, wo ihm auch nicht adäquat begegnet werden kann. Für Luhmann bleibt nur „die empirische Faktizität seiner [des Beobachters] Individualität.“ In den Worten Maturanas: „Es gibt keine Außenansicht, dessen, was es zu klären gilt.“ (Maturana, 2002)

Felix Lau, Mathematiker und Philosoph, hat mit „Die Form der Paradoxie“ (2005) eine Einführung in George Spencer Browns „Laws of Form“ verfasst. Das Selbst, so auch sein Schluss, ist eine Vorspiegelung unseres Bewusstseins; ein Kohärenzgefühl entsteht, dadurch, dass, um zu unterscheiden, was unterschieden worden ist, Unterscheidung an Unterscheidung gehängt werden muss – die Paradoxie des Beobachtens. Dazu im Folgenden mehr in den Worten des Verfassers. Dies gesagt, machen uns Lau wie auch Varela/Rosch/Thompson mit fernöstlichen Denkertraditionen, etwa Buddhismus und Daoismus, die von Einheit eines großen Ganzen ausgehen. Hier ist erleuchtet, wer weiß, dass „Selbst und Anderes identisch sind“ (Lau, 2005, pg. 177), bekannt.

„Groundlessness“, wie Varela, das buddhistische Konzept ins Englische übersetzt, bedeutet nicht, vom eigenen Selbst Abschied zu nehmen. Es weist darauf hin, den Anspruch auf Sicherheitsgefühlt, Planbarkeit und Berechenbarkeit des Laufs der Dinge zugunsten eines flexibleren Labensentwurfs, der Unsicherheit verkraften kann, aufzugeben. Varela, Rosch, Thompson sinngemäß: Groundlessness - not as a concept to lose one’s self but a rather as a means to get rid of her street fighter mentality and an experience one’s true self (if combine and with practice of meditation). – Kurz: Nach der Einsicht, dass über eine beobachterunabhängige, externe Welt, keine verlässlichen Aussagen getroffen werden können, deren anfängliche Gefährlichkeit sich in das Gefühl tiefer Verbundenheit auflöst, macht die Gesetzmäßigkeit, nach der nur existiert, was unterschieden worden ist, auch vor dem Beobachter selbst nicht halt. Am Ende dieser zweiten Auseinandersetzung kann ein Stück Freiheit gewonnen werden. In den Worten Maturanas: Wenn ich oder ein anderer diese Unterscheidung nicht vornimmt, dann existiert die konkrete begriffliche Entität auch nicht, die durch ebendiese Unterscheidung eingegrenzt und von einer Umgebung abgehoben wird. (Maturana, 2002, pg. 29) Buddhistische Meditationstechniken lehren uns, zu zu sein; wir können lernen nicht zu unterscheiden.

synthesis of wisdom


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