ALBIGENSER-KREUZZUG II
U.Boeschenstein

Der Dualismus in Südfrankreich

Wir haben versucht die Vorgeschichte des Kreuzzugs gegen die Katharer in Südfrankreich zu verstehen. Wir fanden:

1. Territorialkriege gibt es seit der Entstehung von Kriegergesellschaften in der Bronzezeit. Krieg wird in Männer-gesellschaften endemisch. Den Kreuzfahrern des 13. Jahrhunderts ging es um Landnahme. Es war ein Krieg von adeligen Kriegern gegen ihre Standesgenossen. Religion war ein Vorwand für Eroberung.  Die Säuberung betrifft Angehörige der gleichen Kaste.  

2. Die Säuberungen der letzten zweitausend Jahre sind immer religiös begründet. Grund ist immer die fremde, "falsche" Religion der "Feinde". Alle, die an eine absolute, einmalige, eindeutige Wahrheit glauben, behaupten auch ein Recht, diese Wahrheit mit dem Schwert verbreiten zu dürfen. 

3.  Wir sind der Frage nachgegangen, wie das Weltbild eines Menschen ausgesehen haben muss, der nach der Ermordung von 12000 Unschuldigen in Beziers seinem Herrn in Rom, dem Papst, "cheerfully" berichten konnte, dass "neither sex nor age was spared". Dieser Mann, der geistliche Führer des Kreuzzugs - Arnaud Amaury war Abt von Cîteau, dem Stammsitz der Cisterzienser. Sie hörten vor ein paar Wochen vom bekanntesten Führer dieses Ordens, von Berhard von Clairvaux. Sein Suchen galt der Liebe Gottes - caritas Dei. Wir hörten, dass die Liebe Gottes nur denen zuteil wird, die glauben können. Über den Inhalt dieses Glaubens war nicht zu reden. Glauben muss der Gläubige, was ihm seine Kirche vorschreibt. Denn die Kirche besitzt die Wahrheit. Dieser Kirche versprechen Gläubige Gehorsam und Angehörige von Ritterorden und Mönchsorden sogar "absoluten Gehorsam". Die Vertreter dieser Kirche, der Papst und seine Bischöfe, verlangen und erwarten diesen absoluten Gehorsam. 
 
 

Krieg der Macht. Krieg für den Gehorsam. 

Der Kreuzzug in Südfrankreich, der 1209 mit dem Massaker von Beziers begann, war ein Krieg gegen Ungehorsame. Dieser Gehorsam mangelt der ganzen Gesellschaft Südfrankreichs. In allen Ständen war man gewohnt, selber zu denken, sich selber zu verwalten und sich von niemandem dreinreden zu lassen. Die eigenen Territorialherren hatten in den Städten wenig dreinzureden. Die Bischöfe waren arm, so arm, dass der Bischof von Toulouse - Folquet de Marsilia - seine Maulesel verstecken musste, weil sie ihm sonst gepfändet worden wären. 
Die Bürger der Städte bestimmten als freie "consul" über ihre Angelegenheiten, und sie brauchten keine geistlichen Berater, keine geistlichen Herren.  In dieser Gesellschaft lässt sich Glauben nicht befehlen.   

Wir sprachen von der Entstehung von Erlösungsreligionen, von den Grundannahmen dieser Glaubenssysteme. 

Die Unterscheidung von OBEN und UNTEN, von Himmel und Hölle, von reinem Geist und böser Materie sind die Fundamente. Menschen haben in diesem Glaubenssystem eine unsterbliche Seele und sie muss aus dem Sumpf der fleischlichen Sünde erlöst werden. Das ist den römisch- katholischen Gläubigen und den Ketzern gemeinsam. 

Die Ketzer glauben aber nicht an  die Kirche. Sie glauben nicht an Sakramente. Sie glauben nicht an ein durch die Kirche vermitteltes Heil. Sie erfinden eigene Geschichten, sie erzählen eigene Mythen. Sie verweigern der mächtigen Kirche die Gefolgschaft. Das ging vor allem ins Geld. Der arme Bischof von Toulouse war nicht der einzige arme Kirchenfürst in Occitanien. Sie alle litten an Einnahmenschwund. Dagegen kämpfte die Kirche von Rom in diesem Feldzug. Ihre Machtmittel waren die gehorsamen Krieger und die Inquisition, jene geistliche Terrororganisation, die im frühen dreizehnten Jahrhundert entstand. 

Die Berichte, welche von "rechtgläubigen" Priestern über die Häretiker verfasst wurden, betonen alle die grosse Gefahr für den rechten Glauben. Eine zoroastrisch-persisch-gnostisch-manichäisch- bogomilische Ketzerei habe im Südfrankreich des 12. und 13. Jahrhunderts überhand genommen, sagen Historiker. Dieser Irrglaube habe die katholische Kirche bedroht. Drum sei ein Ausrotten dieses Übels durchaus nötig gewesen. Nur eine gründliche Säuberung konnte die katholische Kirche retten. 

Arno Borst beschreibt, wie in den Ketzerländern eine Gegenkirche entstanden sei. Sie war organisiert in Bistümern, sie kannte eine eigene Theologie, eine eigene systematische Lehre. Von dieser systematischen Lehre sind ein paar wenige Dokumente erhalten: Das "liber duobis principiis" und ein paar wenige mehr. Es gab im scholastisch geschulten 12. Jahrhundert durchaus auch unter den Katharern systematische Geister. 

Waren aber alle Katharer, waren alle Ketzer brave Schüler dieser Systematiker? Was glaubten die Katharer? Was glaubten die Menschen in Occitanien, die braven Kirchgänger eingeschlossen?

Die Bauern von Montaillou

In einem einzigartigen Dokument, das uns von den Gläubigen in Südfrankreich berichtet, bietet sich ein vielschichtiges Bild: 

In Montaillou war fast jeder, einschliesslich des Pfarrers von den »bonshommes« beeinflußt; und jeder dort war, gelegentlich wenigstens, imstande, an einen Gott, der die guten Geister und einen Teufel, der die Welt des sündigen und sterblichen Fleisches geschaffen hätte, gleichzeitig zu glauben; wie vielleicht zu anderen Zeiten an den Schöpfer des Himmels und der Erden. 

Emanuel LeRoy Ladurie hat in seinem Buch "Montaillou" die Inquisitionsprotokolle des Bischofs von Pamiers studiert. Sie beschreiben die Untersuchung der Inquisition gegen ein Dorf hoch in den Bergen des Sabartès:

Die Schäfer von Montaillou hatten - wenigstens vermittelt die Lektüre der Akten des Inquisitionsgerichts von Pamiers diesen Eindruck - eine gewisse Vorliebe für die Erörterung theologischer Gegenstände. Doch, ohne sich dessen immer bewusst zu sein, wussten jedenfalls die zu den Lehren der Katharer neigenden unter ihnen über die dogmatischen Voraussetzungen ihrer Behauptungen selten ganz genau Bescheid.
 
Diese "gewisse Vorliebe für die Erörterung theologischer Gegenstände" - gab es sie nur im Pyrenäendorf Montaillou? Gab es sie vielleicht auch anderswo im sogenannten "christlichen Europa"? Redeten die "idiotas", die schreibunkundigen Bauern auch anderswo beim Abendplausch über Gott und die Welt? 

Je länger ich über die Menschen vor achthundert Jahren nachdenke, desto stärker wird mein Zweifel am "christlichen" Europa. Christlich war in diesem Europa die Oberschicht, die Angehörigen des Adels, in ihren Funktionen als geistliche und weltliche Führer. Die Weltbilder der Bauern waren nicht "christlich". 

Welche Mythen, welche Geschichten am Herdfeuer neben den Heiligenlegenden und den biblischen Geschichten das Leben der meisten Menschen im Mittelalter bestimmten, wissen wir nur bruchstückweise. Nur aus Montaillou,  diesem einzigen, winzigen Dorf auf einem Hochplateau der  Pyrenäen kennen wir Weltvorstellungen und Jenseitsvorstellungen der Unterschicht, der Bauern. 

Der Katharismus von Montaillou war zunächst eine mythische Geschichte, die man sich abends am Feuer erzählte, die man unermüdlich sich wiederholte - wobei man sie ausschmückte und abwandelte, ohne sie wesentlich zu verändern. 

Eine dieser mythischen Geschichten erscheint in den Inquisitions-protokollen des Bischof Fournier in vielen Abwandlungen. Es ist die Geschichte vom Sündenfall der Engel. 

Wir kennen solche Sündenfallerzählungen auch aus Ketzerberichten aus Byzanz. Ich zitiere den Berater des Kaisers Alexios I. Komnenos: (Euthymios Zigabenos). Ich will mit diesem Beispiel "theologischer Literatur" auch zeigen, welche Sprache die "Rechtgläubigen" brauchten:

Eine schmutzige Quelle der schlimmen, um sich greifenden Gottlosigkeit der Bogomilen stellt die Ketzerei der Messalianer dar. 
Bei ihnen nehmen viele andere Häresien wie aus einem übelriechenden Becken ihren Ursprung. Bis jetzt hat sich diese Ketzerei unter dem Anschein der Frömmigkeit verbergen können; sie war schwer auszumachen, nicht nur für ein schlichtes Auge, sondern auch für jene mit einem schärferen Blick, die sie mit erhöhter Einsicht ins Auge fassen konnten. Um ordentlich der Reihe nach vorzugehen, muß ich mit dem beginnen, was sie ihre Archäologie und ihre Theologie nennen, wofür ich Fabelei und Un-theologie sagen würde. Nach ihren Geschichten hat der gute Gott und Vater Abertausende von Engeln geschaffen, und Samael war sein Stellvertreter und Verwalter, der ihm in Gestalt und Aussehen glich, rechts von ihm auf einem Thron saß und alle Ehren genoß. Davon berauscht und geistig verwirrt, habe er den Abfall geplant. So ergriff er einmal die Gelegenheit und stellte alle dienenden Engel auf die Probe: ob sie wohl die Last des Dienstes abwerfen, ihm folgen und mit ihm sich gegen den Vater erheben wollten. Die genannten Engel, geködert von der möglichen Erleichterung ihres schweren Dienstes liessen sich verführen und beteiligten sich an seinem Aufstand. Gott hat sie alle aus ihrer Höhe herabgestürzt. 

Soweit der Berater des oströmischen Kaisers. Die Fortsetzung der Geschichte vom Sündenfall der Bösen Engel will ich ihnen in der Version aus Südfrankreich erzählen. 
In den Inquisitionsprotokollen des Bischofs Jacques Fournier erzählen Bauern und Schäfer:

Es gelang dem Teufel, ein paar von den guten Geistern, die beim guten Gott im Himmel waren, zu verführen. Die stürzten dann aus dem Himmel und wurden hier unten von ihrem Verführer in Gefässe aus Erde, Leiber von Fleisch, eingekerkert, dem Ton des Vergessens eingebildet. (Et tunc fecit eis tunicas, id est corpora de terra oblivionis. iii.l37). 

In einer anderen Version heisst es: Am Anfang stürzten die vom Bösen verführten Geister durch ein Loch aus dem Himmel geradewegs zur Erde.  Gott merkte nicht gleich, was da geschehen war, dann merkte er es, ohne es zunächst zu verstehen, dann verstand er's, wurde zornig und verschloß hastig das Loch mit seinem Fuß. Da war es freilich für viele Geister schon zu spät. Auf der Erde mußten diese die fleischlichen Gewänder anlegen, die der Teufel für sie bereithielt, und sich in die Tyrannei der Weiber schicken. 

Und damit - schreibt LeRoy Ladurie weiter -  begann für sie der niedere Teil des Mythenszyklus - die Seelenwanderung. 
Diese gefallenen Seelen waren dauernd von einem sterblichen Leichnam in den anderen unterwegs, mussten ohne Rast und Ruh aus einem zerbrechlichen Gefäss ins andere fahren, in tierische Leiber erst, in Menschenleiber dann, bis (iii.220), »die Seele in einen Leib gelangt, aus dem sie erlöst wird, da sie in den Stand der Gerechtigkeit und Wahrheit versetzt wird. Wenn sie dann ihr letztes Gewand verlässt, kehrt die fragliche Seele in den Himmel zurück. Doch bis sie häretiziert werden, müssen die Geister von einem Gewand zum anderen wandern.« 

(ii.35): Wenn die Geister aus einem Gewand herauskommen, das ist aus einem Leib, rennen sie ängstlich. Und so schnell rennen sie in ihrer Angst, daß, wenn ein Geist in Valencia aus einem Leibe führe und in der Grafschaft Foix in einen anderen fahren sollte, er auf dem ganzen Wege, wenn es auch in Strömen regnete, kaum drei Tropfen abkriegen würde. So aber, verängstigt rennend [currens espaurucastz], schlüpft er ins erste Loch, das er leer findet, das heisst in den Bauch des ersten Tiers, das ein noch nicht beseeltes Junges trägt, sei es eine Hündin, Häsin, eine Stute oder sonst irgendein Tier; oder eine Frau.« 

Seelenwanderung, Vorstellungen einer ewigen” Wiederkehr! Die Welt hat keinen Anfang und kein Ende! Mythen von “einfachen” Bauern und Schäfern.
Waren vielleicht auch in anderen Bauerngemeinschaften, in anderen Gegenden unseres “christlichen” Europa “einfache Geister” auf ähnliche Ideen gekommen. Glaubten nicht alle an die “Drohgeschichten” des Jüngsten Gerichts? an Fegefeuer? an die Höllenstrafen? an ein Ende mit Schrecken?

Im Jahre 1318 - schreibt LeRoy Ladurie - wurde wieder einmal mit dem Ende der Zeiten gerechnet, und auf den Strassen, die aus Pamiers ins Oberland der Grafschaft führten, erörterten die Leute, was sie in dem Fall zu erwarten hätten. In dem Jahr«, sagte Bertrand Cordier aus Pamiers (i.60-61), »begegnete ich auf der anderen Seite der Brücke im Kirchspiel von Quié vier Männern aus Tarascon. Sie fragten mich: »Was gibt's Neues in Pamiers?«  
»Sie sagen dort, daß der Antichrist geboren ist. Jeder muß seine Seele besorgen. Das Ende der Welt ist nah«, sagte ich. Doch Arnaud de Savignan entgegnete mir: »Daran glaube ich nicht! Die Welt hat weder Anfang noch Ende. Ich habe von vielen Leuten gehört, daß die Welt immer existiert hat und immer existieren würde«, sagte er. « 

Bauern sind nicht dümmer als Gelehrte. Sie beobachten genau. Die Idee von der unsterblichen Seele ist eine Vorstellung von Stubengelehrten. Ein gescheiter Bauer sieht die Welt anders.

»An einem Sonntag im vergangenen Januar sass ich mit meinem Schwiegervater, Guillaume de Corneillan dem Älteren, am Feuer«, sagte Guillaume de Corneillan der Jüngere aus Lordat im Verhör (ii.l21). Da erzählte er mir, dass Bor von Tignac ihm gesagt hätte: Die Priester reden Unsinn, wenn sie uns sagen, dass wir zur Errettung von Seelen Almosen geben sollen. All das ist Quark. Wenn der Mensch stirbt, stirbt auch die Seele. Das ist wie beim Vieh. Die Seele ist nur das Blut .... « 

Wenn es für den "nachdenklichen Bauersmann" keine unsterbliche Seele gibt, dann braucht er sich natürlich auch nicht vor einem Fegefeuer zu fürchten. Es gab für ihn auch keine Auferstehung des Fleisches.

Raymond de l'Aire aus Tignac, übrigens ein tüchtiger Landmann, der von früh his spät unermüdlich seinen Arbeiten auf Feldern und Wiesen nachging, hatte diesbezüglich besonders radikale Bekenntnisse gemacht. Die Seele, meinte er nämlich, sei nur Blut und verschwände deshalb nach dem Tode mit der Leiche; und an die Auferstehung des Fleisches glaubte er auch nicht. 
Das Paradies war, wenn einer auf Erden glücklich war; die Hölle litt man, wenn es einem hier unten dreckig ging - und fertig. 

Guillaume Fort aus Montaillou sagte, daß, was aus Erde gemacht ist, wieder Erde werden muss (i. 447). »Nach dem Tode löst sich der Leib des Mensehen auf und verwandelt sich in Erde«,

Die Philosophen von Montaillou - schreibt LeRoy Ladurie - waren geneigt, sich diese Seele in starker Abhängigkeit von dem Leib, den sie bewohnte, und mithin von dem Brot, aus dem dieser gemacht, endlich also auch von dem Boden, auf dem dieses gewachsen, vorzustellen. 

Die Bauern wussten um ihre Situation in dieser Welt. Sie wussten, dass sie diese Welt nicht verändern konnten. »quod opportebat quod ipse sequeretur fatum suum«, dass es nur darauf ankäme, daß er selbst sich seinem Schicksal füge (iii. I 83). Das "fatum", ist vorgegeben. 

Der Mann der diese Aussage zu Protokoll brachte, war ein Schäfer aus Montaillou. Er war ein "glücklicher, ein zufriedener Schäfer" schreibt LeRoy Ladurie. Pierre Maury war ein beispielhafter Mensch. Er war arm. Er hatte nichts, ausser seinem Hemd und seinen guten Schuhen. Nicht einmal die Schafe, die er hütet sind "seine" Schafe. Aber - er ist ein freier Mensch. Er sagt, was er denkt, und er denkt, was er für richtig hält. Er braucht keinen Priester, der ihm die "richtige" Wahrheit vermittelt. Er ist tiefgläubig ohne einen Herrn, der ihm mit der Hölle droht.  Emmanuel LeRoy Ladurie meint: Anstatt nach  Besitz zu streben, war deshalb Pierre Maury auf einen Reichtum an Beziehungen bedacht.  Die Menschen in Montaillou lebten in einem engen Verband. Sie lebten nicht zum Arbeiten, sondern arbeiteten zum Leben.  Sie hatten "genug" und sahen keinen Grund mehr zu wollen. Ihr Reichtum war das Zusammenleben mit anderen, die Geborgenheit in der kleinen, überblickbaren Gruppe, in der jeder seinen Platz hat. Jeder hatte in dieser Gruppe seine Meinung. Für Glaubens- und Redefreiheit brauchte der Schäfer Pierre Maury nicht zu kämpfen. Er hatte sie. Es scheint, dass es in Occitanien viele solche selbständigen Denker gegeben hat. Ich glaube sogar, dass es diese eigenständigen Denker im ganzen Europa des sogenannten dunklen Mittelalter gab. Sie glaubten an Gott, an die Kirche glaubten sie nicht. 

Glaubensfreiheit in Südfrankreich?

Als der Bischof von Pamiers 1308 ein ganzes Dorf vor das Inquisitions-gericht stellte, ging es angeblich um den richtigen Glauben. Wie aus allen Aussagen der Leute im Dorf hervorgeht, wussten aber alle, dass das wichtigstes Anliegen der Kirche der Zehnten war, den die Kirchenherren auch von den Wanderschäfern einziehen wollten. Die Kirche benutzte die Einschränkung der Glaubensfreiheit zur Bereicherung. 

Während Jahrzehnten hatten die Vertreter der Geistlichkeit gegen die aufsässigen Südfranzosen geklagt, die sich weigerten der Kirche den Zehnten zu bezahlen. Die ersten solchen Berichte stammen aus dem Jahr 1143 - sechzig Jahre vor dem Kreuzzug. 

Damals war auch der Heilige Bernhard in Occitanien. Und niemand nahm den grossen Prediger ernst. Er wurde ausgelacht. In Südfrankreich dachten die Menschen anders. Sechzig Jahre lang wurden die Grundherren im Süden, der Graf von Toulouse und die Herren von Carcassonne und viele andere von der Kirche ermahnt, gegen die Abtrünnigen etwas zu unternehmen. Die Landesherren konnten nicht helfen. Glauben liess sich in ihren Ländern nicht mehr befehlen und Steuern, die als ungerecht empfunden wurden auch nicht. 

Graf Raymond von Toulouse, der wichtigste Herr im Süden wusste, dass er gegen seine "selbständigen" Untertanen keine Chance hatte. In Rom sah man das anders. Ein guter Herr hat seine Schafe unter Kontrolle. Wer seinen Untertanen nicht den Meister zeigen konnte, war ein schlechter Herr. Graf Raymond war ein "schlechter" Herr. Er wurde immer wieder exkommuniziert. Immer wieder versprach er Besserung. Und immer wieder unternahm er nichts gegen die Ketzer. 

1203 schickte Papst Innozenz III - Vater Unschuld -  Missionare nach Südfrankreich: Pierre de Castelnau und den Zisterzienserabt Abt Arnaud Amaury. Sie hatten keinen Erfolg.1205 kam ein spanischer Mönch ins Land. Er war kein geistlicher Fürst, er war ein Prediger. Arm zog er durchs Land und sprach mit dem Volk. Aber - das Volk war verstockt, es wollte die Wahrheit des Mönchs nicht hören. Dominique de Guzman musste merken, dass seine Predigten nichts fruchteten. Papst Innozenz verlor die Geduld. Schon 1204 hatte er den König der Nordfranzosen aufgerufen, strafend in Südfrankreich einzufallen. König Philip August wollte nicht. Er hatte andere Probleme. Dann wurde 1208 der päpstliche Legat Pierre de Castelnau in der Provence ermordet. Die Strafexpedition gegen die ungehorsamen Occitanier war unausweichlich. Es musste ein Kreuzzug sein. 

Der Kreuzzug       1209 - 1229

Seit dem ersten dieser Kriegszüge, seit Urban II 1095 zum "Heiligen Krieg" gegen sie Ungläubigen aufgerufen hatte, waren die jungen Krieger, die "jovenes", die aktivsten Teilnehmer an diesen Unternehmungen. "Every young Frenchman of good family, felt the urge to go on a crusade. Crusading satisfied all the aspirations of the military class", schreibt Joseph R. Strayer. Das Heer das sich 1209 in Lyon besammelte, bestand aber nur zum kleinsten Teil aus Angehörigen der Kriegerkaste; zum allergrössten Teil zogen Söldner in den Krieg. Die grossen Herren in Frankreich wollten sich nicht beteiligen. Sie bezahlten dem König, dem Kriegsherrn, Geld, um sich von der Verpflichtung der "quarantaine" zu lösen. Mit diesem Geld kaufte der König Söldner. Im Albigenser-Kreuzzug werden sie zum ersten Mal in grosser Zahl eingesetzt. 

Söldner darf es in der gottgewollten Ordnung eigentlich gar nicht geben. Das Handwerk des Krieges ist das Recht und Pflicht des Adels, Angehörigen des dritten Standes war das Waffentragen verboten. Seit 1200 übernehmen die Söldner immer mehr die Aufgaben der erblichen Krieger. Uns Schweizern muss das als Fortschritt erscheinen. Seit 1200 durften unsere Vorfahren mitspielen. 

Die Vorsicht des französischen Königs, die Weigerung seiner barons am ausgerufenen Kreuzug mitzumachen, hat ihre Erklärung im Aufruf des Papstes. Innozenz III hatte allen Kreuzugsteilnehmern nach Ablauf der vierzig Tage, der "quarantaine",  Absolution versprochen. Er versprach den adeligen Kriegern auch die Eroberung von Landrechten in Occitanien. Das war ein Eingriff in die Rechtssphäre des Königs. 
Der Anführer des Kreuzzugs war der päpstliche Legat. Er brauchte einen General. Da sich keiner der “barons” zur Verfügnung stellte - keiner wollte jahrelang im Süden Krieg führen - wurde ein kleiner Adeliger aus dem Norden Simon de Montfort Anführer der Krieger. Er führt 1209 das Kreuzzgsheer nach Süden. 

Nach dem Massaker von Beziers im Juli 1209 zogen die Krieger weiter - gegen Westen - nach Carcassonne. Der Herr der Stadt ergab sich und starb ein paar Monate später im Gefängnis. Der Winter kam - keine gute Zeit zum Kriegen. Mit nur einer Handvoll von Rittern und wenigen Söldnern verbrachte Simon de Montfort den Winter. 

Im Frühjahr 1210 kommt Verstärkung und die Zerstörung der Städte Südfrankreichs geht weiter - fünf Jahre lang: Bram, Montréal, Fanjeau, Minerves, Thermes. ......Albi, Moissac. Und viele mehr!
Die Geschichten sind alle ähnlich:  Lavaur am 3. Mai 1211:
C'anc mais tant gran baro en la crestiandat
No cug que fos pendutz, ab tant caver de latz;

  Der grosse Herr von Lavaur, einer der grössten   der Christenheit, wurde gehängt. 

Que sol de cavaliers n'i a ladoncs comtat
Trop mais de quatre vins, so me dig un clergat;

  Achtzig Ritter - so erzählte ein Pfaff - hängten    mit ihm.

E de cels de la vila ne mes om en un prat
Entro a quatre cens que son ars et cremat;

  Vierhundert Katharer wurden aufs Feld gebracht    und starben auf dem Scheiterhaufen.

Estiers dama Girauda qu'an en un potz gitat;
De peiras la cubriron; don fo dols e pecatz;

  Die Frau des Baron - Dame Girauda - warf man in   einen Brunnen und steinigte sie. Eine grosse   Sünde. 

So fo la Santa Croz de mai, qu'es en estat,
Que fo Lavaurs destruita, so co vos ai comtat.

  So wurde am Tag des Heiligen Kreuzes Lavaur   zerstört. So co vos ai comtat - Wie ich es euch   singe.  

Rund um Toulouse fiel das Land den Kreuzfahrern in die Hände. Es gab Hunderte von kleinen und grossen Fegefeuern. Toulouse widerstand. Graf Raymond hat einen mächtigen Verbündeten, den König von Aragon. König Peter II schlug am 16. Juli 1212 die Mauren bei Las Navas de Tolosa. Im folgenden Jahr zieht er nach Südfrankreich. In Muret findet die Entscheidungsschlacht statt. Peter von Aragon, ein Draufgänger, verliert. Toulouse fällt. Simon de Montfort ist Herr von Südfrankreich. 
Doch der Krieg ist nicht zu Ende: Graf Raymond von Toulouse greift 1217 von der Provence aus an. Simon de Montfort wird bei der Belagerung von Toulouse tödlich verletzt. 1229 schliesst der Sohn des Grafen von Toulouse Frieden mit dem König. Seine Schwester heiratet den Bruder des Königs. Durch sie erbt die französische Krone 1271 die Grafschaft Toulouse. Gewinner des Kreuzzugs ist der König von Frankreich.  

Die Inquisition

Die zwanzig Jahre Krieg hatten Südfrankreich zerstört, aber - Ketzer gabs noch immer. Hunderte waren auf dem Scheiterhaufen gestorben, aber Tausende überlebten. Der geistliche Krieg geht weiter, seine Krieger sind Prediger.

1215 beschlossen die Kirchenfürsten am vierten Laterankonzil die Einführung der Pflichtbeichte. Jeder Gläubige muss mindestens einmal im Jahr beim Priester knien. Damit schafft sich die Kirche eine Kontrollinstanz. Wer nicht beichtet, ist verdächtig. 

Am gleichen Konzil beschliesst Papst Innozenz die Gründung des Dominikanerordens. Die Prediger werden die eifrigsten Helfer des Papstes. Von 1233 an untersteht ihnen die Inquisition.

Die Geschichte dieser Institution geht zurück ins 12. Jahrhundert. Schon im Jahr 1184  gründet Luzius III gegen den deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa ein Strafgericht. Die Aufgabe der Abtrünnigen- und Ketzerverfolgung war den Bischöfen aufgetragen. Die Kontrolle der Gläubigen war dezentralisiert und ineffizient. Diesem Mangel war abzuhelfen. Eine schlagfertige Truppe zur Ketzerbekämpfung war in Südfrankreich nötig. Schon wenige Monate nach der Friedensschliessung 1229 wurde der päpstliche Legat Romanus tätig. 

Romanus held a council at Toulouse in November 1229 which tried to improve the technique of heresy-hunting.....He forced those who had returned to Catholicism to denounce their former associates, and, contrary to canon law, he refused to let the accused know the names of the accusers.    (Carol Lansing)

Heresy-hunting - Ketzerjagd!  Endlose Listen von Verdächtigen werden aufgennommen, und die Angeklagten haben keine Chance, sich zu verteidigen. Ab 1235 erlaubt der Papst seinen Inquisitoren auch den Gebrauch der Folter. Tausende von Südfranzosen geraten in die Mühle der Inquisition. Es geht immer ums Seelenheil. Erster Schritt der Inquisitoren ist die Beschlagnahmung des Vermögens der Angeklagten. Nur die wenigsten Angeklagten kennen die genauen Dogmen der Kirche. Keiner ist ganz und gar unschuldig. Anklage heisst darum immer Verlust des Vermögens. 
Nicht alle Angeklagten werden zum Tod verurteilt. Nach 1234 - in diesem Jahr sterben noch einmal 210 Katharer in Moissac auf dem Scheiterhaufen - werden die Todesurteile seltener. Die frommen Inquisitoren wollen keine Märtyrer, sie wollen gerettete Seelen und viel Geld. 
1242 werden in Avignonet Inquisitoren ermordet. Die Mörder waren von Montségur gekommen. Die Strafexpedition des französischen Königs gegen die Inquisitorenmörder dauert ein ganzes Jahr. Die Burg Montségur fällt am 16. März 1244 - nach einjähriger Belagerung. Und noch einmal brennen 200 Scheiterhaufen. Übrigens nicht, wie den Besuchern von Monségur erzählt wird, auf dem "camp crematz" unterhalb der Burgruine, sondern in Bram, dem Hauptquartier des königlichen Heeres. 

Der Fall der Festung Montségur ist die letzte Aktion der Krieger. Die geistlichen Krieger - die Inquisitoren haben noch weitere achtzig Jahre lang in Südfrankreich zu tun. Der letzte Katharer - das letzte Opfer der Inquisition wurde 1326 in Carcassonne verbrannt. Die geheime Kirchenpolizei - man könnte, in Anlehnung an den berüchtigten deutschen Begriff Gestapo, von einer "GEKIPO" sprechen - hatte gute Arbeit geleistet. Die Kirche war in Südfrankreich wieder reich. 

Wer von ihnen in Südfrankreich gereist ist, hat die Kathedrale von Albi gesehen. Das ist für mich eine - im wahrsten Sinn des Wortes - "schreckliche" Kirche. Sie macht Angst und Schrecken. Genau um diesen Eindruck zu geben - so will mir scheinen - hat sie der Bischof von Albi Bernart de Castanet 1298 gebaut. Es gibt Historiker die keinen Zusammenhang sehen wollen zwischen der Tatsache, dass Bischof Bernhard Vizeverwalter der Inquisition war und 306 Verächtige vor das Tribunal brachte, und dem Bau seiner Kirche ein Jahr später. Auch dass eigenartig viele reiche Bürger unter den Opfern der Inquisition waren, soll in keinem Zusammenhang mit dem Kirchenbau stehen. Bernhard von Castanet war ein sehr reicher Grundbesitzer im Land. Er konnte seine Kirche auch ohne das konfiszierte Vermögen der Bürger bauen.

Für mich ist die Kathedrale von Albi ein Monument der Macht. Die Macht der Kirche war mit Hilfe der Krieger und der Prediger wieder hergestellt. In Albi kann man diese Macht spüren.  

Macht ist nicht nur Reichtum in dieser Welt, es ist für die Mächtigen auch die Verfügung über die Seelen. Die Inquisition kämpft auch nach dem Ende der Katharer weiter. Das Böse in Form von Teufeln, von Un-Gläubigen, von Frauen, deren Wissen der Kirche gefährlich schien, wurde weiterhin verfolgt. Es gab die Institution der Inquisition in Frankreich bis zur Revolution 1789, und in Spanien wurde sie erst 1808 durch Josef Bonaparte abgeschafft, von den Bourbonen wieder eingeführt, und sie verschwand erst 1820 unter dem Druck der liberalen Strömungen. 

Das Böse und die Macht.
 

Erschlagt sie alle! Gott wird die Seinen erkennen! Diese - wenn auch erfundene - Aussage des Abgesandten des Papstes kennzeichnet für mich den ganzen Krieg der römischen Kirche gegen die Katharer in Südfrankreich. 
Unter dem Deckmantel der christlichen Fürsorge wurden von Kriegern und Mönchen alle erschlagen. Mehr als hundert Jahre lang wüteten sie, von 1203 bis 1326. Südfrankreich war am Ende des Krieges eine arme, abgelegene Provinz des nordfranzösischen Königs, die occitanische Kultur zerstört, die Troubadours verstummt. 

Aber es gibt - in Albi und anderswo - wieder eine mächtige Kirche. Gott erkennt die Seinen. Der Herr hat seine Vertreter gut ausgewählt. Ein paar weitere Jahrhunderte bestimmen die Kirchenfürsten. Wer gehorsam ist und den Herren glaubt, darf sich mit "milden"- das heisst grosszügigen -  Gaben an die reiche Kirche das Seelenheil im Jenseits erkaufen. 

In meiner Welt der Gegenwart kann man sich kein Seelenheil mehr kaufen. Die Macht der Kirche ist verschwunden. Es gibt in unserer Welt keine religiöse Polizei mehr. Das Weltbild unserer Technikwelt ist anders, nicht auf die Ewigkeit, sondern auf die "instant gratification" der Gegenwart gerichtet. Wir haben - auch in unseren demokratischen Staatswesen - anstelle der religiösen Polizei die notwendigen Fichen. Denn Kontrolle muss sein, genau wie damals. Macht will verteidigt sein. 
 
Ich fragte am Anfang meines Vortrags, warum uns gerade der Kreuzzug gegen die Katharer heute noch beschäftigt. Ich sagte auch, dass ich diesen Krieg nicht verstünde. Was während jener schrecklichen hundert Jahre in Hunderttausenden von leidenden Menschen geschehen ist, wird nie jemand ganz verstehen können. Geschichte ist komplex. Die Aufeinanderfolge von Erreignissen folgt keinen Gesetzen. Jeder Einzelne 
macht durch alle seine Lebensentscheidungen Geschichte. Keine Geschichtsschreibung kann deshalb vollständig sein, sie erfasst nie die Kontingenz der Welt. All unser Denken ist Vereinfachung. Wir wählen aus den Phänomenen aus, was uns unsere Denkkategorien durch Vereinfachen fassbar machen. 

Um klarer zu sehen, habe ich ihnen eine "blöde" Geschichte erzählt. Blöd heisst ursprünglich "abgeschabt". Das Wort wird gebraucht, um einen Stoff zu beschreiben, von dem nur noch die Grundfäden übrig sind. 

Ich habe dem Stoff alle "Flausen" ausgetrieben. Ich beschreibe die Grundfäden: 
Der Kreuzug gegen die Katharer in Südfrankreich war ein Machtkampf.
Er ist eines von unzähligen Beispielen für den Schrecken und das Leid, das durch Machtkämpfe entsteht. 

Die Grundideen im Machtkampf der römischen Kirche gegen die Ungehorsamen sind gestorben. Auch Ideen gehen den Weg alles Irdischen. Die Weltvorstellungen der Menschen im 13. Jahrhundert gehen uns nichts mehr an, sie treffen uns nicht mehr. Was uns aber immer noch betrifft, ist das Phänomen des Machtkampfes. Unsere ganze Welt ist Wettbewerb. Um über dieses Grundproblem unserer Gegenwart nachzudenken, brauchen wir vielleicht neue Denkwerkzeuge. Das Studium der Denkkategorien früherer Menschen kann uns dabei helfen. 

In Gesellschaften, die sich Gott als Herr-Gott vorstellen, muss die Sorge für die "absolute Wahrheit" einer Kaste von mächtigen Priestern übertragen werden. Sie konstruieren sich eine Theologie der Macht, in der die Gläubigen zu Gehorsam verpflichtet sind. Die Priester sind es auch, die mit ihrer Kunst des Schreibens die Wahrheit ein für alle mal festlegen. Die Wahrheit der Machtvertreter ist immer schriftlich. 

Solche Religionen entstehen in Gesellschaften, die hierarchisch geordnet sind und in denen ein einheitliches Weltbild die Machtunterschiede zwischen den Menschen zukleistern müssen. In vielen solchen Religionen wird der Zugang zu Gott zur Pflicht der individuellen Seele. Das heisst die Religion überlässt die Ordnung im Diesseits den Machthabern und befasst sich nur mit dem ewigen Schicksal des Einzelnen. In machtgläubigen Gesellschaften sind die Mythen festgelegt und sie dienen immer nur den Mächtigen. Gott hat die Welt und ihre Geschichten erfunden, die Schrift gilt ewig. 

Am Beispiel der Opfer des Albigenserkreuzzugs lässt sich aber zeigen, dass sich Menschen das Geschichtenerfinden nicht verbieten lassen. Es ist auch in autoritären Gesellschaften nicht möglich, eine einzige und ewige Wahrheit zu befehlen. 

Menschen scheinen sich überall ihre Wahrheit selber zu  machen. Sie entsteht beim Reden miteinander, beim Abendplausch, wenn die Menschen eine “"Vorliebe für theologische Gegenstände" packt. 
In Gesellschaften in denen fixe und ewige, unveränderliche Wahrheiten gepredigt werden - von Kirchenmännern oder Kriegern - werden immer Knechte miterzogen, die ihren Vorteil im Gehorchen finden. 

Sie merken vielleicht, ich rede von Männern, nur von Männern. Das "Blödeste" meiner Geschichte der "religiösen Säuberung", das Einfachste: 

Es kann solcher Unsinn nur in einer Männerherrschaft entstehen. Frauen sind dafür einfach nicht dumm genug. 
Wenn ich der ganzen Geschichte des christlichen Abendlands die Flausen austreibe und auf die Grundfäden stosse, dann sehe ich Männerherrschaft, Machtkampf, Wettbewerb als Grundmotor der Entwicklung. Seit die Männer bestimmen, wächst das Ganze. Wir zahlen für dieses Wachsen von Macht und Beherrschung einen Preis. 

Der Schäfer Pierre Maury ist dem Bedürfnis der Kirche nach mehr Macht geopfert worden. Er steht als "exempel" für all die Millionen von Opfern der Machtsucht bis heute. Das einzige Mittel gegen die Machtsucht ist das Nachdenken. Die Reflexion der eigenen Denkvoraussetzungen, der Grundurteile und Wertvorstellungen. Das haben die Bauern von Montaillou gemacht. Und das machte sie für die Mächtigen gefährlich. Heute sind es die Netten, die Nachdenken. Drum sind die Netten gefährlich. 

In Occitanien vor dem Kreuzug gab es nicht nur Toubadours, es gab auch "trobairitz", Frauen, die dichteten. Die Trobairitz von Dia warnte: 

Mas aitan plus vuoill li digas, messatges,
q'en trop orguoill ant gran dan maintas gens.
 
 Sag den Leuten, Bote, dass Viele durch zuviel Hochmut viel  Schaden haben. 
 

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