Urs Boeschenstein
MENSCH UND SPRACHE

MENSCH UND SPRACHE 1/1
 1 ERKENNEN - WISSEN EPISTEMOLOGIE
2 VERSTEHEN     KOMMUNIKATION
3 ERINNERN  ENTWICKLUNG DES    GEDÄCHTNISSES
4 NACHDENKEN - REFLEKTIEREN
5 SINGEN - DARSTELLEN - MIMEN - SPRECHEN
6 KOMMUNIZIEREN
 EPISTEMOLOGIE: 
ERKENNEN - WISSEN - DARSTELLEN 
DENKEN - FÜHLEN - WAHRNEHMEN - 
ABBILDEN - KONSTUIEREN
 
 MENSCH UND SPRACHE 1/2
ZUSAMMENFASSUNG:
Erkennen ist nicht das Sammeln von Fakten über die Welt. Es ist die Möglichkeit, die Welt zu beeinflussen. Unser Denkapparat bildet nichts ab, er schafft Voraussetzungen für das Entscheiden, er formt Handlungsvarianten.
 1/II
ERFAHREN - WAHRNEHMEN - DENKEN - HANDELN 
GLAUBEN - WOLLEN - FRAGEN - HANDELN
INTERAGIEREN                 SELBSTORGANISATION
INTERPRETIEREN
DIE EVOLUTION DES GEISTES                     EIN  MODERNER  MYTHOS
Vom ersten Unterscheiden
Vom ersten Vergleichen
Vom ersten Lernen
Vom ersten Handeln

MENSCH UND SPRACHE 2/1
ZUSAMMENFASSUNG:
Die Sprache entwickelte sich aus der Notwendigkeit gemeinsame Vorstellungen gemeinsam zu nutzen, sie entwickelte sich aus der uralten Kommunikation, dem Miteinander allen Lebens. Dieser fundamentalen Funktion der Kommunikation war ich seit meiner “dummen” Frage nach dem Regner auf der Spur. Ich bin in den vielen Jahren des Nachdenkens immer wieder zum gleichen Schluss gekommen: Leben heisst kommunizieren. Die menschliche Grundproblematik ist immer das Verstehen der Mitmenschen. Die Modelle der Kommunikation mit denen die Kognitionsforschung arbeitete, sind zu einfach und zu einseitig. Die Prozesse des Sprachverstehens sind nicht eine einfache Umkehrung der Produktionsregeln. Wir können die Regeln des Verstehens nicht mit linearen Programmen beschreiben. Unser Verstehen der Welt ist komplex und jenseits mathematischer Logik. Die Ideologie des rationalen Verstandes, die das Denken der Philosophie seit den Griechen gefangenhält, ist zu ergänzen. Es gibt kein rationales Denken ohne Gefühl (Markowitsch). Diese Erkenntnis der Gehirnforschung verändert fundamental unser Selbstbild. Wir müssen unser Ideal vom beherrschten,  rationalen Denker vergessen. Es gibt ihn nicht, den abstrakten Verstand. Alles Verstehen ist mit Gefühlen gekoppelt. Die Trennung von Gefühl und Verstand war ein Irrtum.  
 
2 / I  VERSTEHEN - KOOPERIEREN - ERZÄHLEN
 HANDELN -  INTERAGIEREN  
KOMMUNIZIEREN -  VERSTEHEN
INTERPRETIEREN -  BENENNEN
  ANNAHMEN - HYPOTHESEN - KONZEPTSYSTEME
  SPRACHSTRUKTUR - SPRACHSYSTEM
MITEINANDER HANDELN - AUFEINANDER ABSTIMMEN
  KOLLEKTIVES GEDÄCHTNIS - PRAGMATIK
BEZEICHNEN  SEMIOTIK - SEMIOLOGIE
BERECHNEN          EXKURS: UNSER GEHIRN IST (K)EIN COMPUTER
 
MENSCH UND SPRACHE 2/2
VERSTEHEN - BEDEUTEN - MIND-READING
BEDEUTEN  PRAGMATIK
ENTSCHEIDEN
KREATIV DENKEN
KOMMUNIZIEREN
WOLLEN - GLAUBEN
MIND-READING  THEORY OF MIND
ERZÄHLEN

MENSCH UND SPRACHE 3/1
ERINNERN               ENTWICKLUNG DES GEDÄCHTNISSES

GEDÄCHTNISEBENEN:   PROZEDURAL, EPISODISCH
SEMANTISCHES GEDÄCHTNIS WISSENSSYSTEM
VERDICHTEN
ABBILDEN - MAPPING  
VEREINFACHEN  KATEGORIEN
GENERALISIEREN   KONZEPTE 
BENENNEN  WÖRTER
 
MENSCH UND SPRACHE 3/2
ZUSAMMENFASSUNG:
Menschenhirne sind keine Computer, die nach einem allgemeinen Programm Daten verarbeiten und speichern. In unseren Gehirnen gibt es verschiedenste Nervennetzwerke, die auf ganz bestimmte Reize reagieren. Es gibt solche Denkmodule auf der Ebene der Wahrnehmung, der Konzeptbildung und der Wortbildung. Wir benennen nicht Dinge in unserer Umwelt, wir geben nicht den Dingen Namen, wir formen Symbole von Symbolen, d.h. wir benennen unsere Vorstellungen (Konzepte, Gestalten). Wir verdichten bei dieser Gedankenarbeit die unfassbare Vielfalt der Umwelt zu brauchbaren Vereinfachungen. Diese Vereinfachungen sind unser Bild der Welt. Wir beschreiben mit all unserer Wissenschaft nicht die REALITÄT, sondern unsere Darstellung dieser Realität. Menschen können mit ihrer Sprache die Bilder der Realität auf einer noch höheren Abstraktionsebene verarbeiten. Sie können nicht nur denken über ihre Erfahrungen, sie können auch über ihre Vorstellungen, d.h. über ihre Phantasien denken. Sprache ist eine metarepresentative Fähigkeit 

3/II ERINNERN - ORDNEN - DENKEN 
 SYMBOLE - NAMEN  SEKUNDÄRE    REPRESENTATIONSEBENE
PROTOSPRACHE  
SPIELEN - VORSTELLEN - PHANTASIEREN - IMAGINIEREN  
THEORIEN ÜBER DIE WELT
VIER STUFEN DER SYMBOLISIERUNG:
   ERKENNEN
   DARSTELLEN
   ZÄHLEN
   THEORIEN DER WELT
 
MENSCH UND SPRACHE 4/1
NACHDENKEN - REFLEKTIEREN
SCHICHTEN - ERINNERN - PLANEN
URSPRUNGSMYTHEN

NACHDENKEN - REFLEKTIEREN
SELBSTERKENNEN
KONTROLLIEREN - BEHERRSCHEN 
WERKZEUGINTELLIGENZ
SOZIALE INTELLIGENZ

ENTSCHEIDEN -  WÄHLEN
KOMMUNIZIEREN

MENSCH UND SPRACHE 4/2
ZUSAMMENFASSUNG:
Sprache entstand also nicht aus dem rationalen Verstand, sie entstand aus der Ordnung der Emotion. Die Sprache der Emotion entstand vor der Sprache des Verstandes. 
1 Die sozialen Organisationsformen der Frühmenschen ermöglichen die Ausbildung enger Kooperation (Kommunikation). Soziale Prozesse ermöglichten die Entstehung eines “kollektiven Bewusstseins”.
2 Aus den gemeinsamen Vorstellungen über die von der Gemeinschaft akzeptierten Umgangsformen entstanden Weltbilder (Kosmologien), daraus wuchs die Sprache. Geteilte “Symbole” waren die Grundlage der gemeinsamen Sprache.
 3 Sprache ist nicht Information, sie ist nicht primär Mitteilung. Sprache vermittelt nicht (nur)Tatsachen. Sprache vermittelt Gefühle, eine geteilte Welt. Geschichten sind der Hintergrund, die “communale” Basis des Handelns (Mythos). Gemeinsames Handeln wird durch Rituale tradiert. Das ist die ursprüngliche Funktion der Religion.
4/II

ENTSTEHEN - NACHDENKEN - REFLEKTIEREN
HINTERFRAGEN
SPRACHE IST EIN MEDIUM DER KOOPERATION

KONKURRENZ - KOOPERATION 
INTIMITÄT - AUTONOMIE

SINGEN - LAUSEN
KONSENS - VERBAL GROOMING
GRUPPEN VON 150 INDIVIDUEN
BESINNEN - AUFMERKEN
PSYCHOLINGUISTIK
 
MENSCH UND SPRACHE 5/1
ZUSAMMENFASSUNG:
Verstehen ist älter als Sprache. Das gegenseitige Lesen (Interpretieren) von Stimmungen und Aktionen ist der Grund, auf dem sich die Wortsprache entwickelte. Der Prozess, der diese Entwicklung ermöglichte, begann in den episodischen Kulturen der frühen Primaten und entwickelte sich in der mimetischen Kultur der Homo habilis und der Homo erectus. Sie erwarben in spielerischen Aktivitäten ihre soziale Kompetenz und entwickelten sich zu Schauspielern. Sie lernten in den “games people play” sich ihrem eigenen Selbstbild gemäss verhalten. Sie waren die ersten Spieler (Homo ludens). 
 5/I SINGEN - DARSTELLEN - MIMEN - SPRECHEN
AUSTRALOPITHEKINEN 
EPISODISCHE KULTUR - MITEINANDERZEIT  
MIMETISCHE KULTUR 
 
MENSCH UND SPRACHE 5/2
ZUSAMMENFASSUNG:
Episodische, mimetische und mythische Kultur. In diesem Rahmen beschreiben Evolutionstheoretiker die Entstehung von Sprache. Der Erfindung der Syntax ist eine lange Phase des Aufbaus eines Lexikons vorausgegangen. Zwei Millionen Jahre lang lernten die Menschen Wörter zu gebrauchen. In den letzten hundertausend Jahren ermöglichte die Entwicklung von Satzbildungszentren im Gehirn das Konstruieren von Geschichten.
 5/II SINGEN - DARSTELLEN - MIMEN - SPRECHEN
HOMO HABILIS - SINGEN - TROMMELN - TANZEN
HOMO ERECTUS
HOMO SAPIENS - MYTHISCHE KULTUR

MENSCH UND SPRACHE 6/1

Man muss dem Gemeinsamen folgen. Der Logos ist gemeinsam. Und doch leben die meisten so, als ob sie ihren besonderen Verstand hätten.   Heraklit                   

6/I KOMMUNIZIERN - MYTHOS UND THEORIE
KOMMUNIZIEREN - GEMEINSAME WELTBILDER - HERRSCHAFT 
THEORETISCHE KULTUR 
HOMO LUDENS 
HOMO FABER

MENSCH UND SPRACHE 6/2

WIE KAM DER MENSCH ZUR SPRACHE?
Dies fragte ich am Anfang meiner Vorlesungsreihe. Ich habe Ihnen in sechs Teilen eine Geschichte der Sprache vorgetragen und versucht, viel “Wissen” über die Entstehung der Sprache in diese Geschichte zu verpacken. Wir wissen erstaunlich viel über das Entstehen unserer Sprache. Ich kann dieses Wissen in einen Satz fassen: Wozu erfanden die Menschen Sprache? Zum Miteinander - Sein. 
Sie haben sich vielleicht über die ständige Wiederholung meiner Antwort geärgert. Ich will es zum Schluss grad noch einmal wiederholen:
Menschen erfanden Sprache als Mittel, um miteinander zu kommunizieren, um miteinander in einer kleinen Gruppe von Gefährten den Lebens-Weg zu gehen.
 Caminante, no hay camino.
 Se hace camino al andar.  Antonio Machado

Menschen machen diesen Weg im Miteinander. Sie “meistern” ihr Leben nie allein, sie brauchen die anderen, ihre Freunde und ihre Feinde. Sprache entstand als Medium des Ausgleichs, als Suche nach Gemeinsamkeit. 
Ich glaube sogar, Menschen erfanden die Sprache, um miteinander zufrieden zu sein. Zufrieden, im Frieden mit sich und den anderen, das nannten die Vorfahren “seelig”. Aus dem Wort “saelic” ist im Englischen das Wort “silly” - dumm - entstanden. Eigenartig!  “Seelig” sind die geistig Armen, die Dummen. Nur die Dummen sind wirklich gescheit. Meister Eckehard , einer der sehr gescheiten Denker des Mittelalters, sagte über den dummen, geistig armen Menschen: 
 Etliche liute hânt mich gevraget, waz armuot sî in ir selben und waz ein arm mensch sî. Her zuo wellen wir antwürten: daz ist ein arm mensch, der niht enwil und niht enweiz und niht enhât.         Eckehard

Der nichts will, der nichts weiss und der nichts hat. Nur der kann “seelig” sein, nur der ist zufrieden. Auch dieser Satz fasst zusammen. Er umfasst die Quintessenz aller Religionen. Es ist dies der Weisheit letzter Schluss: Wer gelernt hat mit anderen zu interagieren, weiss, dass er nicht mehr wollen darf als der Nächste, er weiss, dass er nichts für immer “haben” kann, und er weiss auch, dass er nichts endgültiges weiss und wissen kann. 
 
 

LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS
 
 
 

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