Sybille Kraemer


Sybille Krämer
Sprache, Sprechakt, Kommunikation

Sprachtheoretische Positionen des 20.Jahrhunderts
Suhrkamp 2001
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..eine Diagnose zur Verfassung moderner Sprachtheorien. Die Diagnose lautet, daß sich die meisten Sprachtheorien danach unterscheiden lassen, ob sie Befürworter oder Gegner des "Zwei-Welten-Modells" sind. Das Zwei-Welten-Modell meint eine stillschweigende Voraussetzung in der sprachtheoretischen Arbeit, die Gebrauch macht von der Unterscheidung zwischen einer "reinen" Sprache bzw. Kommunikation, verstanden als ein grammatisches oder pragmatisches Regelsystem, und dessen Realisierung bzw. Aktualisierung im jedesmaligen Sprechen und Kommunizieren.


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Niklas Luhmann: Kommunikation ohne Rationalitätsprätentionen

...warum der Sachverhalt, daß Sprache ein Medium ist, gerade ausschließt, daß Sprache durch Medien realisiert wird.

Erinnern wir uns an das dem Zwei-Welten-Modell zugrunde liegende Schema: Die Sprache verhält sich zum Sprechen wie eine Regel zu ihrer Anwendung oder wie ein Muster zu seiner Aktualisierung, wobei Anwendung und Aktualisierung sich unter jeweils defizienten Bedingungen vollziehen, so daß die Sprach- und Kommunikationskompetenz zur Form, deren Ausübung im wirklichen Sprechen jedoch zu deren Deformation wird. In der "Logik" dieses Ansatzes liegt es, daß Sprache bzw. Kommunikation in ihrem universalen und überzeitlichen Formaspekt medienindifferent konzipiert wird. Medien zählen dann zu den einschränkenden Bedingungen, unter denen der faktische Sprachgebrauch sich vollzieht. Sie sind in dem ZweiWelten-Modell auf der Anwendungsebene lokalisiert: Medien sind Realisierungsphänomene. Wir wollen das die "marginale Medialität der Sprache" nennen. Luhmann dagegen wird zum Proponenten einer "konstitutionellen Medialität der Sprache"


2. Die Medientheorie als eine neuartige Theorie der Form:

Das Verhältnis von Medium und Form ist zuerst einmal ein kombinatorisches Phänomen, ein Kombinationsspiel »loser und strikter Kopplung der Elemente«. Das Medium bildet dabei ein Repertoire lockerer Elemente, aus denen durch feste Zusammenfügung die Form entsteht: so, wie aus Sprachlauten Worte, aus Worten Sätze, aus Sätzen die Gespräche sich fügen; oder so, wie die unverbundenen Sandkörner sich zur Fußspur verdichten können.




Medientheorie
Kommunikationstechnologien


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