Niklas Luhmann
Die Gesellschaft der Gesellschaft
Suhrkamp 1998


Boe: Diese Zitate aus "Gesellschaft der Gesellschaft" bei Taraba51

Das „Nichts“ der creatio ex nihilo“, sagt Luhmann, „kann nicht in der Vergangenheit zurückbleiben. Es wird ständig benötigt, damit das Sein Sein sein kann. Die creatio continua erfordert eine ständige Neuschöpfung auch des Nichts“ (Luhmann,GG419).

So „reproduziert alles sinnhafte Operieren immer auch die Anwesenheit dieses Ausgeschlossenen, denn die Sinnwelt ist eine vollständige Welt, die das, was sie ausschließt, nur in sich ausschließen kann. Unsinn ist eine Form von Sinn. Alle Negation potentialisiert und bewahrt, was sie explizit negiert und re-etabliert, damit auch jenen „unmarked space“, in denen sich jeder, auch die negierte Operation durch eine Unterscheidung einkerbt“. (Luhmann, GG49)

„Entscheidend sowohl für die Struktur dieser Semantik als auch für die Art und Weise in der sie Paradoxien behandelt ist die fragelose Geltung einer zweiwertigen Logik. Diese Logik akzeptiert ihrerseits eine Unterscheidung und gewinnt damit ihre spezifische Form, nämlich die Unterscheidung der logischen Werte positiv und negativ. Für die Einschätzung dieser Errungenschaft ist deshalb wichtig, dass man Unterscheidungen gewinnen und Formen markieren kann, bevor man über die Operation des Negierens verfügt; denn die Negation verdankt sich selbst der Form und nicht umgekehrt, sie ist nur möglich dank einer Unterscheidung, deren andere Seite die Position ist“ (Luhmann, GG926).

Hier ist anzumerken, dass die Logiker dieses Fundierungsverhältnis umgekehrt sehen und meinen Mann könne nur mithilfe einer Negation unterscheiden.

„Wir dagegen“, so Niklas Luhmann, „können sehen, das hier ein wichtiger Fall der Evolution eines autopolitischen Systems vorliegt: das Unterscheiden ist schon lange in Gebrauch, bevor die Sprache codiert wird und sich die Logik entwickelt. Nur deshalb kann Logik evoluieren.

Das Logiksystem dreht dann aber das Fundierungsverhältnis um und gewinnt damit einen autonomen Zugang zur Welt, der es erlaubt alles und auch das Unterscheiden im Duktus der Zweiwertigenlogik zu beschreiben.

So erklärt sich im Übrigen auch der Einbau der Negation in die Prämissen aller klassischen und modernen Logiksysteme. Und im Übrigen weiß man ja auch, dass mit dieser Prämisse keine widerspruchsfreie Selbstbegründung der Logik gelingen kann. Will man das ändern, muss man mit Wittgenstein Sprache oder mit Spencer Brown den mathematischen Kalkül der Logik vorordnen“ (Luhmann, GG927).

Niklas Luhmann


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