Humberto Maturana


Francisco Varela/ Humberto Maturana: 
Der Baum der Erkenntnis
Scherz 1987

Francisco Varela

Der Baum der Erkenntnis Seite 7:
Erkennen:
Erkennen nicht als eine Repräsentation der "Welt da draussen" versteht, sondern als ein andauerndes Hervorbringen einer Welt durch den Prozeß des Lebens selbst.

Der Baum der Erkenntnis Seite 196:
Soziale Phänomene : Als soziale Phänomene bezeichnen wir solche Phänomene, dle mit der Teilnahme vonOrganismen an der Bildung von Einheiten dritter Ordnung durch rekursive Interaktionen zu tun haben, wobei diese Interaktionen eine operationale Umgrenzung definieren, die sle selbst einschliesst. Kommunikation : Als kommunikatlves Verhalten bezeichnen wir als Beobachter solches Verhalten, das im Rahmen sozialer Koppelung auftritt; als Kommunikation bezeichnen wir jene Koordination des Verhaltens, die aus der sozialen Koppelung resultiert.
Der Baum der Erkenntnis Seite 223: Das Reich der Sprache
Sprache - Als sprachlich bezeichnen wir ein ontogenetisches kommunikatives Verhalten (d. h. ein Verhalten, das in der ontogenetischen Strukturkoppelung von Organismen entsteht), welches ein Beobachter semantisch beschreiben kann - Den Menschen eigentümlich ist jedoch, daß sie in ihrer sprachlichen Verhaltenskoordination einen neuen Bereich von Phänomenen hervorbringen, nämlich das Reich der Sprache. Sprache entsteht durch die ko-ontogenetische Koordination ihrer Handlungen - Wir sind in der Sprache, oder - noch besser - wir «sprachen» nur dann, wenn wir durch eine reflexive Handlung eine sprachliche Unterscheidung einer sprachlichen Unterscheidung treffen. In der Sprache zu operieren, bedeutet also in einem Bereich kongruenter, ko-ontogenetischer Strukturkoppelung zu operieren. - Sprache als ein Phänomen in der Rekursion sprachlicher Interaktionen, das heißt, in sprachlichen Koordinationen sprachlicher Koordinationen von Handlungen. - Linguolaxis (sprachliche Tropholaxis)

Humberto Maturana /Bernhard Pörksen
Vom Sein zum Tun
Ursprünge der Biologie des Erkennens
Carl Auer 2002
pg12 : Vorwort - Erkennen:
...verstehen, wie wir sehen, wie wir hören...und ganz generell, wie wir erkennen können, was wir zu erkennen beanspruchen.
...dass Leben, Erkennen und Bewusstsein biologische Phänomene sind, die als solche durch die Merkmale der Kohärenzen des Lebendigen -, und ohne irgendwelche zusätzliche Annahmen - erklärt werden können.
.
.Unsere gegenwärtige patriarchalisch-matriarchalische Kultur lebt aus einer impliziten, gelegentlich auch expliziten metaphysischen Auffassung, gemäss der alle Existenz notwendig ein Sein und Wesenheiten voraussetzt, die unabhängig sind von dem, was wir Menschen tun. Ich nenne diese metaphysische Einstellung oder diesen fundamentalen Standpunkt der Reflexion unserer patriarchalisch-matriarchalischen Kultur die Metaphysik der transzendentalen Realität.
..."
Wie können wir tun, was wir tun, wenn wir tun, was wir als Menschen tun?" oder "Wie erkennen wir, was wir zu erkennen beanspruchen?" oder "Wie operieren wir als Beobachter, wenn wir in irgendeinem Bereich die Unterscheidungen machen, die wir machen?".
...Eine metaphysische Einstellung, die das Wesen des Seins für transzendental erklärt, zieht notwendig eine Haltung nach sich, die den Körper als das Fundament menschlichen Wissens, menschlichen Verstehens und menschlichen Bewusstseins ablehnt und eine Erkenntnistheorie entstehen lässt, in der der Körper die Suche nach wahrer Erkenntnis stört und behindert. Eine metaphysische Haltung dagegen, die nicht auf der apriorischen Annahme der Existenz einer transzendentalen Realität beruht, befasst sich nicht mit Wesenheiten, sondern akzeptiert, dass alles, was ein menschliches Wesen tut, aus der Dynamik seines Körpers im Prozess der Selbsterhaltung durch die Interaktion mit einem geeigneten Milieu entsteht.
Gemäss der von mir vollzogenen metaphysischen Wende, also der fundamentalen metaphysischen Position der Wirklichkeitserzeugung, entstehen wir lebenden Systeme im Allgemeinen und wir Menschen im Besonderen im Bereich des Vergänglichen, wo das Transzendentale eine Vorstellung ist, über die wir nichts sagen können, weil jeder entsprechende Versuch es negiert und uns im Bereich unseres alltäglichen Lebens belässt, wo das Transzendentale nicht existiert. Das ist aber nicht wichtig, weil alles, was im menschlichen Leben gut ist, dem Bereich des Vergänglichen angehört und weil in ebendiesem Bereich die Liebe als das Fundament unseres Menschseins und Quelle unseres Glücks existiert.
pg24
Keywords:
"Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt."....Wenn ich betone, dass alles Gesagte von einem Beobachter gesagt wird, dann rückt eine andere Schlüsselfrage ins Zentrum, die das gesamte traditionelle System der philosophischen Auseinandersetzung mit der Realität, der Wahrheit und dem Wesen des Seins verändert: Sie handelt nicht mehr von Erforschung einer äußeren Wirklichkeit, die man als extern und gegeben wahrnimmt und voraussetzt. Es ist der Beobachter, dessen Operationen ich - operierend als ein Beobachter - verstehen möchte; es ist die Sprache, die ich - in der Sprache lebend - erklären will; es ist das Sprechen, das ich - sprechend - genauer beschreiben möchte. Kurzum: Es gibt keine Außenansicht dessen, was es zu erklären gilt.
pg58
Keywords: ....das Nervensystem eines Organismus als geschlossen zu begreifen. Und das war der Wendepunkt, der meinem Denken eine neue Richtung gab - außerhalb der Tradition der etablierten Wahrnehmungsforschung - Fragen der Epistemologie:
Was bedeutet es zu erkennen, wenn man das Nervensystem als geschlossen begreift? Wie lässt sich der Prozess der Kognition verstehen? -
....Die klassische Vorstellung besagt doch, dass es sich bei dem Nervensystem eines Organismus um ein offenes System handelt: Die Rezeptoren reagieren auf die Stimulation durch externe Reize, diese werden dann weiterverarbeitet. Und im Ergebnis entsteht ein mehr oder minder naturgetreues Abbild der wirklichen Welt. MATURANA: Wer meineAuffassung teilt und sie als Grundlage seiner eigenen Überlegungen akzeptiert, der muss sich zunächst von einer irrigen Interpretation des Konzepts der Informationsverarbeitung verabschieden, das einst in der Biologie verbreitet war, aber doch unser Verständnis des Nervensystems nicht entscheidend befördert hat:
Zum herrschenden Glauben gehörte es lange Zeit, dass das Nervensystem eines Organismus eine von außen kommende Information verarbeitet, um dann im Ergebnis ein angemessenes Verhalten dieses Organismus zu erzeugen. Die in der äußeren Welt angesiedelte Informationsquelle würde also, so die Annahme, die Struktur des Organismus auf eine Weise modifizieren, die schließlich - bezogen auf die externen Umstände - adäquates Verhalten generiert. Aber eine solche Vorstellung führt einen überhaupt nicht weiter; das Nervensystem funktioniert so nicht.
....Wenn man einmal akzeptiert hat, dass es keine Möglichkeit gibt, überprüfbare Aussagen über eine beobachterunabhängig existierende Realität zu machen, dann hat die fundamentale Veränderung der eigenen Epistemologie bereits stattgefunden: Alle Formen der Betrachtung und des Erklärens erscheinen ab diesem Moment als Ausdruck von Systemoperationen, mit deren Erzeugung man sich nun beschäftigen kann. Es hat sich eine Umorientierung vollzogen, ein Wechsel vom Sein zum Tun, eine Transformation der klassischen philosophischen Fragen.
pg84
...dass Sprache kein Instrument der Informationsübertragung und kein System der Kommunikation darstellt, sondern eine Art und Weise des Zusammenlebens in einem Fluss der Koordination von Verhaltenskoordinationen, die dem Strukturdeterminismus interagierender Systeme nicht widerspricht.
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Autopoiesis,Structural Coupling  and Cognition
Cybernetics and Human Knowing vol9, no 3-4, 2002
Maturana24
Maturana25
Cognition - What is "to know"?
Maturana27: We human beings exist as observers in language as we operate in the domain of structural coupling to which we belong.
Language is a manner of living together in a flow of coordinations of coordinations of consensual behaviours that arises in the history of living in the collaboration of doing things together.

We human beings exist and operate as human beings as we operate in language: languaging is our manner of living as human beings.

Language occurs in the actual flow of coordinations of coordinations of behaviours, not in any particular gesture, sound or attitude taken outside of that flow. It is like the movement seen in a film that exists as such only as long as the film runs. We human beings language while operating in the domain of structural coupling in which we coexist as languaging beings with other languaging beings.
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Humberto Maturana
Cybernetics And Human Knowing - vol11, no2, 12-30
the phenomenon of cognition
biology of cognition

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Humberto Maturana
Biologie der Realität
Suhrkamp Wissenschaft 1502
2000
Seite 93: Biologie der Sprache: die Epistemologie der Realität (1975)

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