Versuch einer Umschrift
Materialien für ein zukunfttaugliches Weltbild


Logik:
George Spencer Brown
G. Spencer Brown AUM Conference,
Transcript Session One
Time and Space: Space is only an appearance. It is what would be if there could be a distinction. (Boe: vgl. Spencer Brown Only Two can Play this Game, Note 1) Similarly, when we get eventually to the creation of time, time is what there would be if there could be an oscillation between states. - the void doesn't have quality:.
There is no time in logic, because there can't be time without a self-referential equation, and by the rule of types, which is now in operation in the defining of current logic, there is no feedback allowed. Therefore all equations in logic are timeless. -

Sylvia Taraba: Logologik
Logos - ein imaginierter Logos, der die Welt aus nichts erschafft und diese Welt im Innersten zusammenhält. Unter Logos wird hier die Potentialität und Substantialität des absoluten Nichts verstanden. Bildlich vorstellbar als die Unruhe angeregter Nullkeime, die, negative und positive Einheit produzieren und damit zu Wort und Antwort, zu Satz und Gegensatz werden können. Ich betrachte das Verständnis des Logos, welches ich gewonnen habe, durchaus in der Entwicklungslinie von Heraklit, Böhme, Spinoza, Hegel, in deren Denken das Absolute sich, durch sich selbst, selbst begreift als das, was es ist, als Logos, der streng mathematisch, vom imaginierter Koitus zur ersten Unterscheidung und von dieser zum augenblicklichen Erscheinen zweier reeller polykontextural operierender Liebender gerät.

Jean Clam
Meine These ist, dass Luhmanns wichtigste prinzipielle Behauptungen sich an einen apriorischem Boden ohne transzendentale Referenz anlehnen, den ihnen die Spencer Brownsche Protologik bereitstellt. Der logischer Kalkül Spencer Browns lässt sich somit ganz zu Recht und mit größter Genauigkeit als Protologik bezeichnen. (Clam247)

Nina Ort

Ort-Semiotik11: Das Problem, mit dem Semiotik und Literaturwissenschaft seither beschäftigt sind besteht dann allerdings darin, auf der Grundlage des dualistische Erkenntnismodells wissenschaftliche Theorien zur Erklärung von solchen Phänomenen zu entwickeln, die ihrerseits den Gesetzen des zweiwertige Denkens nicht mehr gehorchen.
Konkret wird das dann problematisch, wenn anstelle von statischen Zustands- oder Phänomen-beschreibungen dynamische Phänomene der Entwicklung dargestellt werden sollen. Denn das dualistische Erkenntnismodell liefert nur den Rahmen für die Bearbeitung seins- und identitätslogischer Probleme. Es ist auf das Thema "Sein" fixiert und kann daher nur behandeln, was aus abgeschlossener Prozess vorliegt. Es kann weder Prozessualität konzeptionell fassen noch Neues erklären oder hervorbringen, sondern nur auf "Sein" reflexiv reagieren. Versuche, Prozessualität auf der Grundlage des dualistische Erkenntnis-prozess darzustellen, münden daher notwendigerweise in Widersprüche und Paradoxien. Dass die Schwierigkeiten, Prozessualität und Entwicklung darzustellen, mit dem zu Grunde liegenden zweiwertige Erkenntnismodell zusammenhängen, wird indessen kaum wahrgenommen.
Die Frage, wie damit für das vorliegende Forschungsprojekt aufgeworfen ist, lautet: wie kann der wissenschaftliche Anspruch an eine Zeichen- und Literaturtheorie beibehalten werden, wenn man sich aus dem engen Korsett des dualistischen Erkenntnismodells und damit von den Regeln der klassischen Logik löst? Und die Antwort, die ich vorschlage, lautet: Indem man das zu Recht als unzulänglich empfundene dualistische klassische Erkenntnismodell um ein weiteres, das heißt, umfassenderes, nicht-klassisches, aber ebenso formal geschlossenes Erkenntnismodell ergänzt.
Ein solches nicht-klassisches, reflexionslogisches, und das heißt, mehrwertiges Erkenntnismodell hat Gotthard Günther zu entwickeln begonnen - dies stellt nun die vierte der von mir unterschiedenen Positionen dar. Es soll in der vorliegenden Arbeit im Zusammenhang mit der Semiotik von Peirce weiter entwickelt werden. Das Werk dieser beiden Denker bildet somit den Ausgangspunkt für ein Theoriemodell das eine Alternative zu den hier geschilderten Strömungen insgesamt anbietet. Dieses Theoriemodell besteht in der reflexionlogischen Erweiterung der Semiotik von Peirce.

Oliver Jahraus:
Bewusstsein und Kommunikation
Zur Konzeption der strukturellen Kopplung, In: Bewusstsein - Kommunikation - Zeichen, Herausgeber: Oliver Jahraus, Nina Ort Niemeyer 2001:
249
Bewusstsein und Kommunikation sind somit Zeichenprozesse, genauer gesagt: sie vollziehen in struktureller Kopplung Semiose. Anders denn als Zeichenprozesse sind so weder Bewusstsein noch Kommunikation als Systeme überhaupt zu denken und zu modellieren. Dass so das Zeichen in den Hintergrund tritt, liegt dann nur daran, dass – metaphorisch gesprochen – das Auge sich beim sehen selbst nicht sehen kann – notwendigerweise!
Semiose ist die operative Voraussetzung, die conditio sine qua non von Bewusstsein und Kommunikation und auch von Systemtheorie, wenn sie Bewusstsein und Kommunikation beobachtet.

Dass Luhmann selbst nicht zu dieser zeichentheoretischen, dreiwertigen Aufrüstung gelangt ist,liegt insbesondere darin, dass er selbst nur mit dem zweiwertigen Zeichenbegriff Saussurescher Provenienz operiert hat. Und dies mag wiederum als symptomatisch gelten für den generell „zweiwertigen“ Charakter der Systemtheorie.

Gotthard Günther
Das Bewusstsein der Maschinen, Agis Verlag, 2002
Seite 53: Die Antithese von Geist und Materie, die das menschliche Bewusstsein durch Jahrtausende beschäftigt hat, ist heute im Begriff als philosophisches Problem zu verschwinden - freilich nicht, weil man es gelöst hat, sondern weil es durch neue Fragestellungen überholt und damit uninteressant geworden ist.
Hier wird lediglich behauptet, dass alle regionalen Hochkulturen ihre Existenz und ihre Gestalt einer generellen Bewusstseinslage des Menschen verdanken, eine Bewusstseinslage, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich in ihr antithetische Erlebnismotive, prinzipiell unfähig zu einer echten Versöhnung unerbittlich bekämpfen. Und es wird weiter behauptet, dass alle historischen Gestalten, die diese Antithese annehmen, grundsätzlich gleichwertig und einander ebenbürtig sind und dass man im Lichte der Kybernetik, die eine radikal neue historische Bewusstseinslage zu erzwingen im Begriffe ist, sich für keine dieser Gestalten mehr entscheiden kann.

Günther-BdM123: S.150
Der Anfang jedes Denkens sieht sich einem primordial Vorgegebenen gegenüber, und es ist nichts weiter als ein leerer Streit um Worte, ob man dasselbe als Materie, Absolutes oder Gott bezeichnet.
Vom Standpunkt des reinen Denkens sind das nur eigensinnige Verbalismen, die gar nicht umhin können, genau dasselbe zu bezeichnen, nämlich eben das unser Denken gar nicht beginnen kann, es sei denn, dass es einem primordial vorgegebenen Grunde entspringt.
Freilich erscheint dann dieser Grund erst nachträglich im Denken. Das ist seine Dialektik, und darum sagt Lenin - tiefer als es im Westen gewürdigt wird – „that all matter...possesses the property of reflexion“.
Wenn aber alle Materie die Eigenschaft der Reflexion primordial besitzt, dann ist ihr Wesen dialektisch; und diese Dialektik widersetzt sich allen Versuchen, irgendeine gegenständlich ontologische Terminologie ernst zu nehmen. Solche Termini wie Materie, Absolutes, Gott oder Geist sind alle gleich inadäquat. Als amüsantes Seitenlicht ist festzustellen, dass der Idealist nicht allzu eifrig darauf aus sein sollte, Gott oder den Geist als Vor-Grund des Weltseins zu betrachten. Das führt zu dem peinlichen Schluss, dass Gott als das dem Denken Vorangehende nicht denkt.
Und es hilft auch nicht viel, dass die dialektische Bewegung unseres Denkens dieses Urteil sofort wieder aufhebt. Denn um aufgehoben und negiert werden zu können, muss es erst einmal vollzogen worden seien. Der Vollzug des Urteils, das etwas vor dem Denken liegen muss, an dem es seinen Anfang nimmt, ist unvermeidlich, weil ein elementarerer Bewusstseinszwang. Dem Satz kommt also eine bestimmte metaphysische Wahrheit zu.

Günther Biografie Wikipedia

G.W.Hebel, Logik I, S.83: “Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts, sondern, dass das Sein in Nichts und das Nichts in Sein - nicht übergeht, sondern übergegangen ist. Aber ebenso sehr ist die Wahrheit nicht ihre Unterschiedlichkeit, sondern, das sie nicht dasselbe, dass sie absolut unterschieden, aber ebenso sehr ungetrennte und untrennbar sind und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen: das Werden; eine Bewegung worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat.“

Ludwig Wittgenstein : http://www.uboeschenstein.ch/texte/wittgenstein-gewissheit.html

Ludwig Wittgenstein Über Gewissheit - On Certainty Suhrkamp 1970
400 Ich bin hier geneigt, gegen Windmühlen zu kämpfen, weil ich das noch nicht sagen kann, was ich eigentlich sagen will.

401 Ich will sagen: Sätze von der Form der Erfahrungssätze und nicht nur Sätze der Logik gehören zum Fundament alles Operierens mit Gedanken (mit der Sprache), - Diese Feststellung ist nicht von der Form „Ich weiss,...“. „Ich weiss,...“ sagt aus, was ich weiß, und das ist nicht von logischem Interesse.

402 In dieser Bemerkung ist schon der Ausdruck „Sätze von der Form der Erfahrungssätze“ganz schlecht; es handelt sich um Aussagen über Gegenstände. Und sie dienen nicht als Fundament wie Hypothesen, die, wenn sie sich als falsch erweisen, durch andere ersetzt werden.... und schreib getrost: „Im Anfang war die Tat.“!

410 Unser Wissen bildet ein großes System. Und nur in diesem System hat das einzelne den Wert, den wir ihm beilegen.

415 Ja, ist nicht der Gebrauch des Wortes Wissen, als eines ausgezeichneten philosophischen Wortes, überhaupt ganz falsch? Wenn „wissen“ dieses Interesse hat, warum nicht „sicher sein“? Offenbar, weil es zu subjektiv wäre aber ist es nicht ebenso subjektiv? Ist man nicht nur durch die grammatische Eigentümlichkeit getäuscht das aus „ich weiss p“ „p“ folgt?

„Ich glaube es zu wissen“müsste keinen minderen Grad der Gewissheit ausdrücken.-Ja, aber man will nicht subjektive Sicherheit ausdrücken, auch nicht die größte, sondern dies, dass gewisse Sätze am Grunde aber fragen und alles Denkens zu liegen scheinen.

443 Denke, es gäbe in einer Sprache kein Wort, das unserem „wissen“ entspricht. - Sie sprechen einfach die Behauptung aus. „Das ist ein Baum“ etc. Es kann natürlich vorkommen, dass sie sich irren. Und dafür den sie nun dem Satz einen Zeichen hinzu, das anzeigt, für wie wahrscheinlich sie einen Irrtum halten - oder soll ich sagen: wie wahrscheinlich ein Irrtum in diesem Falle ist? Dies Letztere kann man auch durch die Angabe gewisser Umstände anzeigen. Z.B. „A sagte dem B....“ ich stand ganz nahe bei ihnen, und meine Ohren sind gut“oder „A war gestern dort und dort. Ich habe ihn von weitem gesehen. Meine Augen sind nicht sehr gut“ oder. „Dort steht ein Baum. Ich sehe ihn deutlich und habe ihn unselige Male gesehen.“

Heinz von Foerster -
Heinz von Foerster - Ernst von Glasersfeld
Wie wir uns erfinden
Eine Autobiografie des radikalen Konstruktivismus
CarlAuer 2007

Poerksen- Heinz von Foerster

Ranulph Glanville : Das Selbst und das andere
In diesem Beitrag wird unter besonderem Bezug auf die Unterscheidung zwischen Selbst und anderem untersucht, wie Unterscheidungen im Sinne von G. Spencer Brown getroffen werden.Es wird festgestellt, dass eine Unterscheidung, die sich selbst treffen muss, auch eines anderen und einer Transferunterscheidung bedarf und dass diese den Zweck einer Unterscheidung aus etwas generieren können, dass aus ihr, durch sie und für sie entsteht.

Eberhard von Goldammer – Joachim Paul
in: Gotthard Günther Das Bewusstsein der Maschinen
Agis Verlag, 2002, S.17:
Wenn aber über das Denken selbst nachgedacht werden soll, dann denkt man über „Relationen von Relationen von Relationen von Begriffen“ nach, und das muss zwangsläufig zu einer höheren Komplexität der Beschreibung und somit zu einem erweiterten Formalismus der Logik und Mathematik führen.
Stichwörter: Kybernetik - Heterarchie - Theorie polykontexturaler Systeme - Selbstreferentialität - Volition.


Warren S. McCulloch Embodiments of Mind
389: To make psychology into experimental epistemology is to attempt to understand the embodiment of mind. Here we are confronted by what seem to be three questions, although they may ultimately be only one. The three exist as categorically disperate desiderata. The first is at the logical level:
We lack an adequate, appropriate calculus for triadic relations. The second is the psychological level: We do not know how we generate hypotheses that are natural and simple. The third is that the physiological level: we have no circuit theory for the reticular formation that marshals our abductions.
395: The next step would obviously be to postulate a process of concept formation. This is a very leap from weighing probabilities to propounding hypotheses. It requires a succession of subordinate insights organised at successive superordinate levels of types…There again we come up against our logical limitation, for there simply does not exist any proper way to handle the triadic, or n-adic, relations of such relata. We cannot state our problem in a finite and unambiguous manner.
That man, like the beasts, lives in the world of relations rather than in a world of classes or propositions seems certain.

Arno Schöppe
Theorie paradox Auer 1995

S. 70
Wie findet Erkenntnis statt?
Was ist das Erkenntnismaterial?

S.72
Auf der Frage nach dem Wie der Erkenntnisgewinnung ergibt sich der Anspruch, dass die weiteren Rekonstruktionsbemühungen kein statisches Modell, sondern die Beschreibung eines dynamischen Operationsmodus zum Ziele haben sollen.
In den vorhergehenden Ausführungen wurde postuliert, dass Identität nicht ohne Differenz denkbar sei. Sämtliche Anstrengungen, Identisches tatsächlich identisch zu denken, mündeten in der Erfahrung, das Identisches (die Einheit) nicht ohne einen Bezug auf ein davon Differenzierendes darstellbar ist. Identisches kann nur different beschrieben werden.
77 Der entscheidende Unterschied zwischen der neuen Begriffswahl Unterscheidung sowie Bezeichnung und der traditionellen von Differenz und Identität liegt, wie bereits betont, in ihrer Verwendungsfunktion: Hier werden Formen mittels dieser Begrifflichkeiten konstruiert, dort werden sie beschrieben. Hier tauchen sie in einem operativ dynamischen Kontext auf, dort in einem statischen.
Der hier beschriebene Unterschied kann, wenn man so will, philosophisch auf seiten der operationalen Brgrifflichkeiten distinction und indication eher der Erkenntnistheorie (
Entstehung von Erkenntnis), auf seiten der traditionellen Begriffe Differenz und Identität eher der Ontologie (Stellenwert des Erkannten) zugeordnet werden. Während wir uns im Falle der statischen Beschreibung unter Umständen augenblicklich in Selbstbezüglichkeiten und Paradoxien verfangen, können wir auf seiten der dynamischen Konstruktion die Entstehung dieser Komplikationen schrittweise nachvollziehen.
179 Negation: eine spezielle Form differenzierender Operationsweisen stellen Negationen dar. Fragt man nach den Fortgang differenzierender Operationen, so wird augenfällig, dass sie ihrem Ausgangspunkt stets in dem vorher Bezeichneten fand (und nicht etwa im Ausgeschlossenen) nehmen, es liegt also eine eigentümliche Gewichtung in dieser Abfolge. Die codierte Urfassung dieses und anderes scheint auf seiten des dieses überzuhängen und sich dem weiteren Verlauf als Anschlusspunkt bevorzugt anzubieten. Es muss also eine Möglichkeit geben, auf die andere Seite überzuwechseln, um dort anzuschließen nur so kann das dieses beispielsweise von außen her vorübergehend als Einheit fixiert werden. In der Spencer Brown’schen Fassung wird dieses überwechseln als Crossing und Recrossing, bezogen auf eine Form auch als Entry und Reentry bezeichnet.
180 Somit könnte die oben eingeführte Charakterisierung der Grundform codierter Differenzierung dieses und anderes auch als Urform der Negation gelten.

Taleb - Der Schwarze Schwan
322 - Die Komplexitätstheorie sollte gerade mehr Misstrauen gegenüber den wissenschaftlichen Behauptungen von präzisen Realitätsmodellen in uns wecken. Sie macht nicht alle Schwäne weiß; das ist Vorhersagbar; sie macht sie grau, nur grau.
Wie ich schon gesagt habe, ist die Welt epistemologisch betrachtet für Bottom-up-Empiriker wie mich ein völlig anderer Ort. Wir können nicht den Luxus genießen, uns hinzusetzen, um die Gleichungen zu lesen, die das Universum regiert. Wir beobachten nur Daten, stellen eine Vermutung darüber an, wie der wirkliche Prozess aussehen könnte, und kalibrieren, indem wir unsere Gleichung zusätzlichen Informationen anpassen. Angesichts von Ereignissen vergleichen wir das, was wir sehen, mit dem, was wir erwartet haben.
Ich spreche hier von Opazität, von unvollständigen Informationen, von der Unsichtbarkeit des Generators der Welt. Die Geschichte enthüllt uns nicht, was sie denkt - wir müssen erraten, was in ihrem Kopf vor sich geht.
Von der Repräsentation zur Realität: Diese Idee zieht sich als roter Faden durch das ganze Buch. Während viele sich mit der Psychologie, Mathematik oder Evolutionstheorie befassen und nach Möglichkeiten suchen, ihre Ideen auf die Wissenschaft anzuwenden, möchte ich das genaue Gegenteil vorschlagen: sich mit der großen noch unerforschten, demütig machenden Ungewissheit in den Märkten zu beschäftigen, um Erkenntnisse über das Wesen des Zufalls zu gewinnen, die sich auf die Psychologie, Wahrscheinlichkeit, Mathematik, die Entscheidungstheorie anwenden lassen. Dann werden wir die heimtückischen Manifestationen der narrativen Verzerrung unter großen Fehler der Platonität, des Wegs von der Repräsentation zur Realität sehen
328 – hasard – fortuit
Boe: vgl. Fuchs: kairos
Mandelbrot zeigt uns mit seiner Methode einen Hoffnungsschimmer, eine Denkweise, auf die wir uns den Problemen mit der Unsicherheit nähern können. Wir sind wirklich viel sicherer, wenn wir wissen, wo die wilden Tiere sind.
351 - Die große Frage ist nicht, wie wir denken sollten, sondern wie wir Wissen in Handlungen umsetzen und herausbekommen können, was Wissen wert ist.
363 – The Known, the Unknown and the Unknowable


Beobachten - Beobachtungstheorie:

Benjamin Jörissen
Beobachtungen der Realität
Die Frage nach der Wirklichkeit im Zeitalter der Neuen Medien
transcript 2007
125
Da die Frage einer systemunabhängigen Realität innerhalb der Systemtheorie keinen Sinn macht, können Systeme zugleich nur als Beschreibungsweisen, und nicht als ontische Wesenheiten verstanden werden - in dieser Hinsicht scheint es der Systemtheorie zu gelingen das "cartesianische Echo" des radikalen Konstrtuktivismus zu vermeiden.
Boe: vgl. Fuchs Unjekte
127
Beobachten beobachten
Das Charakteristische des beobachtungtheoretischen Ansatzes liegt darin,das Begründungsparadoxon der nicht einholbaren ersten Unterscheidung produktiv zu verwenden, indem diese so festgelegt wird, dass die erste Unterscheidung nicht als Wesensunterschied hypostasiert, sondern in eine zeitliche Abfolge aufgelöst wird. Diese Dynamisierung verläuft über die Thematisierung von Beobachtung selbst: Beobachtung wird als Operation beobachtet. Nun kann unterschieden werden, wie diese Operation stattfand. Der Fokus verschiebt sich vom Was des Beobachtens (Alltagserfahrung) zum Wie seines Vollzugs.

Holm von Egidy
Egidy 226
Zur Bestimmung von Beobachtung
Beobachtung ist ein synthetischer Begriff. Die Idee von Unterscheidung und die Idee des Hinweises werden zusammengezogen in einen Begriff der Operation:
Beobachtung heißt: eine Unterscheidung treffen und auf den unterschiedenen Wert hinweisen.
Dieser abstrakte Begriff von Beobachtung kann dann als Grundlage jedes erkenntnisförmigen oder bezugnehmenden Akt gelten. Anders gesagt: die gemeinsame Form in Wahrnehmen, Erkennen, Intendieren, Erleben, Konstruieren ist Beobachtung.
Der Grund für die Einheit dieser unterscheidbaren aber nicht wirklich brennbaren Aspekte der Beobachtung ist, dass sie in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen. Es ist nicht möglich, zu unterscheiden ohne ein Hinweisen, und der Hinweis setzt Unterscheiden voraus.
Verschiedene Beobachtungsordnungen:
Genauere Analyse zeigt, dass es Beobachtungsarten gibt, die nicht aufeinander reduzierbar oder durcheinander ableitbar sind. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Arten von Phänomenen. Diese korrelieren genau mit den verschiedenen Kategorien von Peirce.
Beobachtung 0. Ordnung = Erstheit
Beobachtung 1.Ordnung = Zweitheit
Beobachtung 2. Ordnung = Drittheit
Beobachtung 3. Ordnung = Viertheit (Tetralemma)
Zugleich schlage ich folgende Zuordnung vor:
Beobachtung 0. Ordnung  Raum
Beobachtung 1.Ordnung  Wert
Beobachtung 2. Ordnung  Unterscheidung
Beobachtung 3. Ordnung  Hinweis
Jede Art von Erfahrung, Erleben und Wahrnehmungen sollte sich in diesen vier Stufen analysieren lassen, und nimmt auch, in der empirischen Realität, soweit ich sehe, jeweils alle vier in Anspruch. Deshalb ist es immer mit etwas Ungenauigkeit verbunden, genau die Aspekte, auf die sich eine Stufe bezieht, herauszustellen. Ungefähr so:
0.Ordnung: Sinnlichkeit, Zeit, Möglichkeit, Kontinuum
1.Ordnung: Gegenstand und Widerstand, Verstand
2.Ordnung: Zeichen, Regeln, Unterscheidungen, Vernunft
3.Ordnung: Entscheidung, Selbstbewusstsein, Erkennen des Ganzen, Polykontexturalität, Geist (Intentionalität)

Semiotik:
Charles S. Peirce
Peirce - Ort (PDF)
Peirce -Ort: Ort-Semiotik 187: II. Peirce – reflexionslogisch erweitert
...allgemeinen Zeichenbegriff: Die Radikalität des Semiotizitäts-Axioms besteht darin, dass semiotische Prozesse als konstitutiv für Realität, also den Gesamtzusammenhang dessen, was klassisch als Opposition von Objektivität und Subjektivität betrachtet wurde, angenommen werden:
Sprache ist demnach keine besondere Leistung des Denkens, sondern das Denken ist an sich semiotisch konstituiert. Das macht Semiotik als Wissenschaft der Zeichen zu einem inter- und transdisziplinären Forschungsfeld, zu einer Methode, einer Disziplin oder gar Metadisziplin – die systematischen Bestimmungen sind so vielfältig wie ihre Anwendungsgebiete.
Auf seiner Suche nach einer allgemeinen Theorie aller möglichen Arten von Zeichen, kommt Peirce beispielsweise zu der Feststellung, es sei »[...] wohl angemessen, daß beim gegenwärtigen Stand unseres Wissens die Logik als mit der Allgemeinen Semiotik, der apriorischen Theorie der Zeichen, zusammenfallend betrachtet werden sollte.« (Peirce, SemSch III. S. 353 f.)
In der Peirceforschung herrscht Konsens darüber, dass es bei Semiotik vor allem um semiotische Prozesse, also um Semiose geht, nicht nur um die Darstellung des Zeichens.

Selbstreferenz: Links-Google


Naturwissenschaft:
Quanteninformation: Thomas Görnitz
Von der kosmischen Information zum Bewusstsein:
18 Wir können also sagen,
dass die kosmische Entwicklung immer reichhaltigere und differenziertere Gestalten hervorbringt. Diese Gestalten verkörpern Information, und die Menge dieser Informationen ständig zu. Das Entstehen von Information scheint somit die Grundlage der kosmischen Evolution zu sein.

Bewusstsein - Consciousness:
Thomas Metzinger:

Nick Lane:
consciousness as the awareness of self embedded in the world - the rich autobiographical awareness that defines an individual in the context of society and culture and history, with hopes and fears for the future, all cloaked in the dense, reflective symbolism of language

Michael Tomasello

Kommunikation
Niklas Luhmann
Das „Nichts“ der creatio ex nihilo“, sagt Luhmann, „kann nicht in der Vergangenheit zurückbleiben. Es wird ständig benötigt, damit das Sein Sein sein kann. Die creatio continua erfordert eine ständige Neuschöpfung auch des Nichts“ (Luhmann,GG419).

„Entscheidend sowohl für die Struktur dieser Semantik als auch für die Art und Weise in der sie Paradoxien behandelt ist die fragelose Geltung einer zweiwertigen Logik. Diese Logik akzeptiert ihrerseits eine Unterscheidung und gewinnt damit ihre spezifische Form, nämlich die Unterscheidung der logischen Werte positiv und negativ. Für die Einschätzung dieser Errungenschaft ist deshalb wichtig, dass man Unterscheidungen gewinnen und Formen markieren kann, bevor man über die Operation des Negierens verfügt; denn die Negation verdankt sich selbst der Form und nicht umgekehrt, sie ist nur möglich dank einer Unterscheidung, deren andere Seite die Position ist“ (Luhmann, GG926).

„Wir dagegen“, so Niklas Luhmann, „können sehen, das hier ein wichtiger Fall der Evolution eines autopolitischen Systems vorliegt: das Unterscheiden ist schon lange in Gebrauch, bevor die Sprache codiert wird und sich die Logik entwickelt. Nur deshalb kann Logik evoluieren. Das Logiksystem dreht dann aber das Fundierungsverhältnis um und gewinnt damit einen autonomen Zugang zur Welt, der es erlaubt alles und auch das Unterscheiden im Duktus der Zweiwertigenlogik zu beschreiben. So erklärt sich im Übrigen auch der Einbau der Negation in die Prämissen aller klassischen und modernen Logiksysteme. Und im Übrigen weiß man ja auch, dass mit dieser Prämisse keine widerspruchsfreie Selbstbegründung der Logik gelingen kann. Will man das ändern, muss man mit Wittgenstein Sprache oder mit Spencer Brown den mathematischen Kalkül der Logik vorordnen“ (Luhmann, GG927).

Boe: Protologik

LuhmannGG866 Selbstbeschreibung

1142
... die stationären Gesellschaften der alten Welt hatten sich als Objekte beschrieben, etwa mit Begriffen wie Sein, Wesen, Natur, Gattung. In diesem strukturellen und semantischen Rahmen waren Möglichkeiten der Evolution nicht ausgeschlossen; aber deren Beobachtung und Beschreibung konnte an der Oberfläche bleiben und mit dem anschaulichen Begriff der Bewegung arbeiten, der als Begriff etwas Festes voraussetzt wie der Fluss die Ufer.

Die moderne Gesellschaft beobachtet sich als Beobachter, beschreibt sich als Beschreiber; und erst das ist in einem logisch strengen Sinne Selbstbeobachtung beziehungsweise Selbstbeschreibung. Nun erst ist das Selbst der Beobachtung der Beobachter, das Selbst der Beschreibung der Beschreiber selbst.

1148
Eine gleichermaßen radikale, postontologische Thematisierung von Zeit scheint dem Formenkalkül von George Spencer Brown zugrundezuliegen.
Form wird hier als Markierung einer Unterscheidung begriffen, also als eine Einheit mit zwei Seiten, von denen nur die eine bezeichnet wird und die andere unmarkiert bleiben muss. Der Übergang zu anderen Seite (das crossing) erfordert eine zweite Operation, setzt also Zeit voraus. Dies wird spätestens dann deutlich, wenn das Kalkül seine eigenen Voraussetzungen einzuholen versucht und zwischen marked und unmarked space zu oszilieren beginnt.

Während die klassische Formtheorie Form als statische Gestalt begriffen hatte, die nach gelungen/nichtgelungen zu beurteilen sei, wird Form jetzt als Dispositiv eines Beobachters begriffen und als Regulativ für die Entscheidung, zu bleiben, wo man ist, (sich zu wiederholen ) oder zur anderen Seite überzugehen. Ein Primat der Form gegenüber Instanzen, die in der Tradition Vernunft und Wille (Freiheit) genannt worden, scheint eine Temporalisierung der Formen zu erfordern.

Boe: Das "Selbst" der Beobachtung - Dynamis/Zeit - Prozessdenken - Wir-Bewusstsein (vgl.Fuchs Die Methapher des Systems)

Chistian Schuldt Systemtheorie
Schuldt9
Der Begriff System: Diese Vokabel assoziierte unschöne Dinge wie Kälte, Totalitarismus oder Funktionalismus. Luhmanns Systembegriff impliziert jedoch keineswegs eine Ordnung, die es herzustellen oder aufrecht zu erhalten gilt. Im Gegenteil: selbstreferentiellen Systeme sind zwar geschlossene Systeme, doch diese Geschlossenheit ist zugleich Voraussetzung für die Offenheit gegenüber ihrer jeweiligen Umwelt. Systeme sind immer nur Systeme in Differenz zu einer Umwelt: ohne Umwelt kein System. Wo also der Systembegriff Einheitlichkeit suggeriert, operiert Luhmann grundsätzlich mit Differenzen. Insofern wäre die Systemtheorie auch zutreffender als „System-Umwelt-Differenz-Theorie“ zu bezeichnen.

Peter Fuchs
Dirk Baecker
Helmut Willke


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